„Ich würde gern nur einen Monat zu Hause bleiben, geht das überhaupt?“ Diese Frage höre ich in meinen Beratungen ständig, und ich verstehe sie gut. Viele Väter wollen nach der Geburt bewusst Zeit mit dem Baby verbringen, können beruflich aber nicht lange raus. Leider steckt im Elterngeldrecht ein kleiner, aber wichtiger Haken, der genau diesen Wunsch oft durchkreuzt. Schauen wir uns das in Ruhe an.

Kann ein Vater wirklich nur einen Monat Elterngeld beantragen?

Ganz ehrlich: nicht so einfach, wie viele denken. Ein einzelner Monat Basiselterngeld als alleiniger Anspruch des Vaters reicht nicht aus. Das Gesetz schreibt pro Elternteil eine Mindestbezugsdauer vor, und die liegt bei zwei Lebensmonaten. Ein isolierter, einziger Elterngeldmonat ist nach dem Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG) also in der Regel nicht möglich.

Das klingt erstmal nach einer kalten Dusche, ich weiß. Aber lass dich davon nicht entmutigen, denn es gibt Wege, mit denen ein einzelner Bezugsmonat im Rahmen eines zulässigen Gesamtbezugs funktioniert. Entscheidend ist, wie dieser Monat eingebettet ist.

Was schreibt das Gesetz zur Mindestbezugsdauer vor?

Wer selbst Elterngeld beziehen möchte, hat nur dann Anspruch, wenn er für mindestens zwei Lebensmonate Elterngeld beansprucht. Diese zwei Monate kannst du als zwei Monate Basiselterngeld nehmen oder als entsprechende ElterngeldPlus-Monate. Ein wirklich alleiniger Basiselterngeldmonat ohne diesen zweiten Monat ist nach § 4 Absatz 3 BEEG nicht ausreichend.

So funktioniert die Aufteilung zwischen Mutter und Vater

Ihr teilt euch als Eltern ein gemeinsames Budget an Monatsbeträgen. Wenn der Vater nur zwei anrechenbare Elterngeldmonate nimmt, können die übrigen Monate der Mutter zugeordnet werden. In der Praxis landet deshalb häufig der überwiegende Teil bei der Mutter, während der Vater einen kürzeren Zeitraum übernimmt.

Wie viele Monate Elterngeld stehen einer Familie insgesamt zu?

Gemeinsam habt ihr grundsätzlich Anspruch auf zwölf Monatsbeträge Basiselterngeld. Das ist euer gemeinsamer Topf, aus dem ihr euch bedient, egal wer welche Monate nimmt. Wenn Mutter und Vater im selben Lebensmonat parallel Basiselterngeld beziehen, verbraucht ihr in diesem Monat jeweils einen Monatsbetrag – der parallele Bezug erhöht also nicht die Gesamtzahl der verfügbaren Monate, er teilt sie nur anders auf.

Wann kommen zwei Partnermonate dazu?

Zwei zusätzliche Monate gibt es, wenn bei mindestens einem Elternteil in zwei Lebensmonaten nach der Geburt das Einkommen aus Erwerbstätigkeit gegenüber dem Einkommen vorher gemindert ist. Diese beiden Extramonate heißen Partnermonate, und dann sind insgesamt bis zu 14 Monatsbeträge Basiselterngeld möglich. In der Praxis sind es meistens die zwei Monate des Vaters, die diese Partnermonate auslösen.

Damit du das Budget im Blick hast, zeigt die folgende Tabelle die drei typischen Konstellationen im Überblick.

Monatsbeträge gesamt
Nur ein Elternteil bezieht Basiselterngeld12
Beide erfüllen die Voraussetzung für Partnermonatebis zu 14
Vater nimmt zwei anrechenbare Monate, Rest geht an die Mutter12 bis 14, je nach Voraussetzungen

Für viele Familien lohnt es sich allein deshalb, dass der Vater seine zwei Monate nimmt, um die zwei zusätzlichen Monate für die Familie zu sichern.

Wie wird das Elterngeld für den Vater berechnet?

Das Basiselterngeld beträgt grundsätzlich 65 Prozent des wegfallenden Elterngeld-Netto-Einkommens. Bei niedrigerem Einkommen kann der Prozentsatz auch höher liegen. Für die Berechnung wird nicht einfach dein ausgezahltes Netto genommen, sondern ein nach gesetzlichen Regeln ermitteltes Elterngeld-Netto, das in der Regel davon abweicht, was du monatlich auf dem Konto hast.

Nach oben und unten gibt es feste Grenzen: Das Basiselterngeld beträgt mindestens 300 Euro und höchstens 1.800 Euro im Monat. Den Mindestbetrag von 300 Euro gibt es grundsätzlich auch dann, wenn vorher kein Erwerbseinkommen da war.

Warum beeinflusst die Steuerklasse das Ergebnis?

Die Steuerklasse spielt direkt in das für die Elterngeldberechnung ermittelte Netto hinein. Maßgeblich ist bei angestellten Vätern grundsätzlich der Einkommenszeitraum vor der Geburt, und je nach Steuerklasse fällt das ermittelte Elterngeld-Netto unterschiedlich aus. Eine Berechnung allein aus dem Bruttogehalt ist deshalb nie wirklich zuverlässig – dafür fehlen zu viele Angaben wie Kirchensteuermerkmal und Krankenversicherung.

Wenn du wissen willst, was in deinem konkreten Fall herauskommt, schau am besten gemeinsam mit jemandem auf deine echten Zahlen. Melde dich gern bei mir, dann gehen wir deine Steuerklasse und den maßgeblichen Zeitraum in Ruhe durch.

Was müssen Väter bei der Planung ab Geburtsjahrgang 2024 beachten?

Seit den Geburten ab April 2024 haben sich zwei Dinge geändert, die gerade für Väter wichtig sind: der parallele Bezug und die Einkommensgrenze. Beide solltest du früh in deine Planung einbeziehen, damit es später keine böse Überraschung gibt. Elterngeld ab 2027 bringt weitere Änderungen, die du ebenfalls kennen solltest.

Neue Einschränkung beim parallelen Bezug für Geburten ab April 2024

Für Geburten ab dem 1. April 2024 ist ein gleichzeitiger Bezug von Basiselterngeld durch beide Elternteile grundsätzlich nur noch für einen einzigen Lebensmonat innerhalb der ersten zwölf Lebensmonate möglich. Wenn du dir also vorgestellt hast, die ersten zwei Monate komplett gemeinsam mit deiner Partnerin zu Hause zu sein und beide Basiselterngeld zu beziehen, geht das in dieser Form nicht mehr.

Es gibt allerdings Ausnahmen und Alternativen, die du kennen solltest:

  • Gesetzliche Ausnahmen bestehen für bestimmte Fälle, etwa Mehrlings- oder Geschwisterkonstellationen und besondere Situationen.
  • Bezieht ein Elternteil ElterngeldPlus, kann der andere Elternteil länger als nur einen Monat gleichzeitig Elterngeld beziehen.
  • ElterngeldPlus wird grundsätzlich für zwei Lebensmonate statt eines Monats Basiselterngeld bezogen, der Monatsbetrag ist dabei höchstens halb so hoch.

Ein Vater kann deshalb nicht einfach „einen Monat ElterngeldPlus“ als gleichwertige Kurzvariante beantragen, denn ElterngeldPlus ist von vornherein auf mindestens zwei Lebensmonate angelegt. Auch der Partnerschaftsbonus ist für einen Vater, der nur kurz raus will, meist nicht geeignet, weil beide Elternteile dafür gleichzeitig in Teilzeit arbeiten müssen und ihn jeweils für mindestens zwei Monate nehmen. Wenn beide Eltern selbstständig sind, gelten beim Elterngeld zudem besondere Regelungen, die du vorab klären solltest.

Wer hat bei der Einkommensgrenze noch Anspruch auf Elterngeld?

Die Einkommensgrenze wurde abgesenkt, und das betrifft gut verdienende Familien. Für Geburten ab dem 1. April 2024 liegt sie bei 200.000 Euro zu versteuerndem Einkommen des Paares, ab dem 1. April 2025 bei 175.000 Euro. Maßgeblich ist das gemeinsame zu versteuernde Einkommen beider Elternteile, das nach Abzügen deutlich unter dem Bruttoeinkommen liegt. Lass dich von der Zahl also nicht gleich abschrecken, bevor du nicht dein tatsächliches zu versteuerndes Einkommen kennst.

Wie läuft die Beantragung für den Vater ab?

Der Antrag geht an die für deinen Wohnort zuständige Elterngeldstelle. In mehreren Bundesländern gibt es inzwischen digitale Antragsmöglichkeiten. Im Antrag gibst du an, für welche Lebensmonate du Basiselterngeld, ElterngeldPlus oder den Partnerschaftsbonus möchtest.

Was bedeuten Lebensmonate statt Kalendermonate für deine Zeitraumwahl?

Elterngeld wird nicht nach Kalendermonaten, sondern nach Lebensmonaten des Kindes gezahlt. Ein Lebensmonat beginnt jeweils am Geburtstag des Kindes und endet am Tag vor dem nächsten „Monatsgeburtstag“. Du kannst deinen Bezugszeitraum grundsätzlich auswählen, musst ihn aber als Lebensmonate beantragen. Ob der gewünschte Zeitraum bewilligt wird, hängt zusätzlich davon ab, ob die allgemeinen Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Betreuung des Kindes im eigenen Haushalt
  • gemeinsamer Wohnsitz in Deutschland
  • zulässige Erwerbstätigkeit während des Bezugs (im Durchschnitt des Lebensmonats höchstens 32 Wochenstunden)

Gerade der letzte Punkt verdient einen genauen Blick. Gehst du direkt wieder in volle Vollzeit über diese Grenze, erfüllst du die zentrale Voraussetzung für den Monat nicht mehr.

Rückwirkend nur drei Monate möglich

Mit dem Antrag solltest du nicht zu lange warten. Elterngeld wird rückwirkend höchstens für die letzten drei Lebensmonate vor dem Lebensmonat gezahlt, in dem dein Antrag eingegangen ist. Lässt du mehr Zeit verstreichen, verfallen weiter zurückliegende Monate einfach. Mein Rat aus der Praxis: Kümmere dich am besten schon kurz nach der Geburt darum, dann bist du auf der sicheren Seite.

Sieben-Wochen-Frist für die Elternzeit beim Arbeitgeber

Elternzeit und Elterngeld sind zwei verschiedene Dinge, die viele Väter durcheinanderbringen. Elternzeit ist die arbeitsrechtliche Freistellung gegenüber deinem Arbeitgeber, Elterngeld ist die staatliche Familienleistung. Als Selbstständiger kannst du übrigens auch Elterngeld bekommen, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind – wie das im Detail funktioniert, erklärt der Elterngeld-Trick für Selbstständige. Bist du angestellt, musst du die Elternzeit grundsätzlich spätestens sieben Wochen vor Beginn in Textform bei deinem Arbeitgeber verlangen. Plane diese Frist fest ein, sonst verschiebt sich dein Wunschzeitraum ungewollt.

Ich weiß, das ist eine Menge auf einmal, zwischen Mindestbezugsdauer, Lebensmonaten und Fristen. Wenn du für deine Familie die beste Aufteilung finden möchtest, melde dich gern für eine kostenlose und unverbindliche Beratung bei mir. Wir schauen gemeinsam auf eure Situation, und du gehst mit einem guten Gefühl und einem klaren Plan in dieses schöne neue Kapitel.

FAQ

Kann ein Vater Elterngeld nur für einen Monat beantragen?

Als alleinigen Anspruch geht das nicht. Das BEEG schreibt eine Mindestbezugsdauer von zwei Lebensmonaten pro Elternteil vor, sodass der kürzeste Weg für einen Vater in aller Regel zwei Monate sind.

Wie viel Elterngeld bekommt ein Vater, der nur einen Monat Elternzeit nimmt?

Das Basiselterngeld beträgt 65 Prozent des nach gesetzlichen Regeln ermittelten Elterngeld-Nettos, mindestens 300 Euro und höchstens 1.800 Euro pro Monat. Wie hoch der genaue Betrag ausfällt, hängt von Steuerklasse, Krankenversicherung und dem Einkommen im Bemessungszeitraum ab. Eine verlässliche Zahl ergibt sich erst mit den echten Zahlen aus dem eigenen Fall. Konkrete Beispiele, wie sich verschiedene Nettogehälter auswirken, findest du etwa beim Elterngeld bei 3.000 Euro netto.

Wie wird ein einzelner Monat Elternzeit beim Elterngeld berechnet?

Elterngeld wird nach Lebensmonaten des Kindes abgerechnet, nicht nach Kalendermonaten. Für jeden bewilligten Lebensmonat, in dem die Voraussetzungen erfüllt sind, zahlt die Elterngeldstelle den anteiligen Monatsbetrag aus.

Wie lange kann ein Vater insgesamt Elterngeld bekommen?

Als Basiselterngeld stehen einem Vater grundsätzlich bis zu 12 Monatsbeträge aus dem gemeinsamen Familienbudget zu. Erfüllt mindestens ein Elternteil die Voraussetzung für Partnermonate, sind es bis zu 14 Monatsbeträge insgesamt. Die genaue Aufteilung zwischen Mutter und Vater legt ihr selbst fest, solange beide die Mindestbezugsdauer einhalten.

Was ist der Unterschied zwischen Elterngeld und Elternzeit?

Elternzeit ist die arbeitsrechtliche Freistellung, die du gegenüber deinem Arbeitgeber beantragst, spätestens sieben Wochen vor Beginn in Textform. Elterngeld ist die staatliche Geldleistung, die du bei der zuständigen Elterngeldstelle beantragst. Beides hängt zusammen, läuft aber über unterschiedliche Stellen und folgt eigenen Regeln.

Wie wirkt sich die Einkommensgrenze beim Elterngeld auf Väter aus?

Für Geburten ab dem 1. April 2024 liegt die Einkommensgrenze bei 200.000 Euro zu versteuerndem Einkommen des Paares, ab dem 1. April 2025 bei 175.000 Euro. Wer über dieser Grenze liegt, hat keinen Anspruch auf Elterngeld. Ob und wie sich die Elterngeld-Erhöhung 2027 auf diese Grenzen auswirkt, solltest du rechtzeitig im Blick behalten.