Ein paar Monate früher oder später in den Bemessungszeitraum rutschen, und schon macht das beim Elterngeld manchmal einen ordentlichen Unterschied aus. Genau an diesem Punkt setzt der viel zitierte „Elterngeld-Trick“ an. Das klingt komplizierter, als es ist. Lass uns das in Ruhe von vorne durchgehen, damit du für deine Familie das Beste rausholst.
Was ist der Bemessungszeitraum beim Elterngeld?
Der Bemessungszeitraum ist die Zeitspanne, aus der die Elterngeldstelle dein Einkommen zusammenrechnet, um die Höhe deines Elterngeldes zu bestimmen. Bei Angestellten sind das grundsätzlich die zwölf Kalendermonate vor dem Kalendermonat der Geburt. Das steht so in § 2b Absatz 1 des Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetzes.
Ein kleines Beispiel macht das greifbar: Kommt dein Baby im Juni zur Welt, schaut sich die Behörde dein Einkommen von Juni des Vorjahres bis Mai dieses Jahres an. Genau diese zwölf Monate bilden die Grundlage für alles Weitere.
Nettoeinkommen als Berechnungsgrundlage
Als Basis dient dein durchschnittliches monatliches Erwerbseinkommen aus diesem Zeitraum. Je höher dein Verdienst in diesen zwölf Monaten war, desto höher fällt dein Elterngeld aus. Fallen in diese Monate ungewöhnlich niedrige Einkünfte, drückt das deinen Durchschnitt nach unten, und genau da setzt der Trick an.
67 Prozent des Einkommens, maximal 1.800 Euro pro Monat
Das Elterngeld beträgt grundsätzlich 67 Prozent deines vorgeburtlichen Einkommens aus Erwerbstätigkeit. Nach oben ist bei 1.800 Euro monatlich Schluss, das ist der gesetzliche Höchstbetrag für Monate ohne Einkommen nach der Geburt.
Bei kleineren Einkommen und größeren Verdiensten verschiebt sich der Prozentsatz etwas. Verdienst du vorgeburtlich unter 1.000 Euro, kann der Satz über 67 Prozent steigen. Bei einem Einkommen über 1.200 Euro kann er bis auf 65 Prozent sinken. Für die meisten Familien bleibt die Faustregel: rund zwei Drittel des bisherigen Einkommens, gedeckelt bei 1.800 Euro. Wie das in konkreten Zahlen aussieht, zeigt zum Beispiel der Blick auf das Elterngeld bei 3.000 Euro netto.
Was ist der Elterngeld-Trick mit dem Bemessungszeitraum?
Der Trick besteht darin, bestimmte Monate aus dem Bemessungszeitraum auszuklammern, sodass sie nicht in die Berechnung einfließen. Das ist kein Schlupfloch, sondern im Gesetz ausdrücklich so vorgesehen. Fällt ein Monat raus, verschiebt sich der Zwölf-Monats-Zeitraum entsprechend weiter nach hinten und ein weiter zurückliegender Monat rückt nach.
Warum ist das so wertvoll? Monate mit niedrigem oder gar keinem Einkommen können deinen Durchschnitt und damit dein Elterngeld spürbar drücken. Klammerst du sie aus und rutschen stattdessen Monate mit normalem Gehalt in die Berechnung, steigt dein durchschnittliches Einkommen und damit auch dein Elterngeld.
Welche Monate können ausgeklammert werden?
Ausgeklammert werden können Monate, in denen besondere Umstände dein Einkommen gedrückt haben, etwa durch den Bezug von Elterngeld für ein älteres Kind oder bestimmte schwangerschaftsbedingte Einkommensminderungen. Die genaue Regelung ist im Detail recht fein, und welche Monate in deinem Fall wirklich greifen, hängt stark von deiner persönlichen Situation ab.
Wenn du unsicher bist, welche deiner Monate infrage kommen, meld dich gern bei mir. Wir schauen das gemeinsam durch, und oft ist die Lösung einfacher, als es auf den ersten Blick wirkt.
Kannst du den Bemessungszeitraum für dein zweites Kind verschieben?
Ja, gerade beim zweiten Kind ist die Verschiebung des Bemessungszeitraums oft besonders wichtig. Wenn du für dein erstes Kind Elterngeld bezogen hast, fallen in die zwölf Monate vor der zweiten Geburt häufig Monate mit wenig oder gar keinem Einkommen. Hast du nach der ersten Geburt eine Weile pausiert oder in Teilzeit gearbeitet, drücken diese einkommensschwachen Monate den Durchschnitt für dein zweites Elterngeld deutlich. Wer dabei auch weiß, wie Selbstständige das Elterngeld optimieren, kann zusätzlich profitieren.
Verschiebung auf das Jahr vor der ersten Geburt
In der Praxis kann der Bemessungszeitraum durch die Ausklammerung so weit nach hinten rücken, dass wieder Monate aus der Zeit vor deiner ersten Geburt zählen, also aus einer Phase, in der du normal gearbeitet und verdient hast. Dadurch fällt dein Elterngeld für das zweite Kind oft spürbar höher aus, als wenn die einkommensschwachen Monate einfach mitgerechnet würden.
Ob und wie weit diese Verschiebung in deinem Fall greift, hängt von deiner individuellen Erwerbsbiografie ab und davon, wie dicht die beiden Geburten beieinanderliegen. Besonders groß ist der Effekt, wenn zwischen den Geburten nur wenig Zeit liegt und du in der Zwischenzeit wenig oder gar nicht erwerbstätig warst. Das ist genau so ein Punkt, bei dem sich ein kurzer gemeinsamer Blick lohnt, bevor du den Antrag abschickst.
Was ist besser: Elterngeld über 12 oder 24 Monate beziehen?
Das hängt ganz davon ab, wie ihr euch die ersten Lebensmonate mit eurem Kind vorstellt und ob ihr nebenher arbeiten möchtet. Beim Basiselterngeld bekommst du einen vollen Monatsbetrag über einen kürzeren Zeitraum, beim ElterngeldPlus verteilst du die Beträge auf einen längeren Zeitraum. Beide Varianten haben ihre Berechtigung, es gibt kein pauschales Besser.
Gemeinsam habt ihr als Eltern Anspruch auf zwölf Monatsbeträge Basiselterngeld. ElterngeldPlus ist für Familien gedacht, die die Bezugszeit strecken und währenddessen flexibler bleiben wollen. Welche Variante am Ende mehr aus eurer Situation herausholt, lässt sich am besten anhand eurer konkreten Planung entscheiden.
Partnermonate sichern zwei zusätzliche Monate
Teilt ihr euch die Betreuung, könnt ihr euch zwei weitere Monatsbeträge sichern. Voraussetzung ist, dass bei einem Elternteil in zwei Lebensmonaten das Einkommen sinkt. Aus den zwölf gemeinsamen Monaten werden dann vierzehn, die sogenannten Partnermonate. Ob dabei der Elterngeld-Geschwisterbonus für beide Eltern gilt, lohnt sich zusätzlich zu prüfen.
Kommt euer Baby deutlich vor dem errechneten Termin zur Welt, gibt es sogar noch mehr. Je nach Frühgeburt staffeln sich die zusätzlichen Monate so:
- 13 Monatsbeträge bei mindestens sechs Wochen vor dem errechneten Termin
- 14 Monatsbeträge bei mindestens acht Wochen
- 15 Monatsbeträge bei mindestens zwölf Wochen
- 16 Monatsbeträge bei mindestens sechzehn Wochen
Diese zusätzlichen Monate kommen zum Basiselterngeld obendrauf und sind gerade für Familien mit einer Frühgeburt eine wichtige Entlastung in einer ohnehin anstrengenden Zeit.
Wann ist ElterngeldPlus die klügere Wahl?
ElterngeldPlus spielt seine Stärke vor allem dann aus, wenn ein Elternteil früh wieder in Teilzeit einsteigen möchte. Statt eines kurzen vollen Bezugs streckt ihr die Leistung über einen längeren Zeitraum. Ob sich das für euch rechnet, hängt davon ab, wie viel ihr nebenher arbeiten wollt und wie lange ihr begleitet werden möchtet. Wenn du magst, rechnen wir das gemeinsam einmal in Ruhe für eure Konstellation durch.
Wie beantragst du die Ausklammerung richtig?
Elterngeld muss schriftlich beantragt werden, und im Antrag gibst du an, für welche Lebensmonate du Basiselterngeld, ElterngeldPlus oder den Partnerschaftsbonus möchtest. Genau hier solltest du auch die Monate im Blick haben, die ausgeklammert werden sollen.
Aktiv auf auszuklammernde Monate hinweisen
Verlass dich nicht blind darauf, dass die Elterngeldstelle automatisch die für dich günstigste Variante wählt. Prüfe deine zwölf Monate vor der Geburt und schau, ob einkommensschwache Monate dabei sind, die du ausklammern lassen kannst. Diese Punkte benennst du im Antrag aktiv, statt zu hoffen, dass sie von selbst berücksichtigt werden.
Ich weiß, zwischen Windeln, wenig Schlaf und Behördenpost ist der Kopf oft woanders. Deshalb lohnt es sich, vor dem Absenden einmal kurz innezuhalten und die Monate durchzugehen. Wenn du dabei eine zweite Meinung möchtest, melde dich einfach. Die erste Beratung kostet dich nichts, und viele Eltern gehen danach deutlich entspannter in diese neue Phase.
Rückwirkende Zahlung nur für die letzten drei Lebensmonate
Mit dem Antrag solltest du nicht zu lange warten. Elterngeld wird rückwirkend nur für die letzten drei Lebensmonate vor dem Monat gezahlt, in dem dein Antrag eingegangen ist. Wer zu spät dran ist, verschenkt also bares Geld für die ersten Lebensmonate.
Kümmere dich möglichst früh nach der Geburt um den Antrag und geh ihn in Ruhe durch. So sicherst du dir den vollen Zeitraum und holst mit der richtigen Ausklammerung das Maximum für deine Familie heraus.
FAQ
Was ist der Elterngeld-Trick beim Bemessungszeitraum?
Der Trick nutzt eine gesetzliche Regelung, nach der bestimmte Monate mit niedrigem Einkommen aus dem Bemessungszeitraum ausgeklammert werden. Dadurch verschiebt sich der Zwölf-Monats-Zeitraum nach hinten, und Monate mit höherem Verdienst rücken in die Berechnung. Das Ergebnis ist ein höherer Durchschnitt und damit mehr Elterngeld.
Welche zwölf Monate werden für das Elterngeld berechnet?
Bei Angestellten zählen die zwölf Kalendermonate unmittelbar vor dem Geburtsmonat. Bei einer Geburt im Juni wären das also die Monate Juni des Vorjahres bis Mai des Geburtsjahres. Monate mit bestimmten Einkommensminderungen, etwa durch Elterngeldbezug, können aus diesem Zeitraum herausfallen.
Was ist beim Elterngeld besser: zwölf oder vierundzwanzig Monate beziehen?
Eine pauschale Antwort gibt es nicht, weil es auf eure individuelle Planung ankommt. Basiselterngeld lohnt sich, wenn ihr die Zeit voll für das Kind nutzt. ElterngeldPlus passt besser, wenn ein Elternteil früh in Teilzeit zurückkehrt. Mit den Partnermonaten kommen in beiden Fällen bis zu zwei Monate obendrauf.
Kann ich den Bemessungszeitraum für das Elterngeld meines zweiten Kindes ausklammern?
Ja. Wenn du für dein erstes Kind Elterngeld bezogen hast, fallen diese Monate mit niedrigem oder fehlendem Einkommen in den normalen Bemessungszeitraum für das zweite Kind. Durch die Ausklammerung verschiebt sich der Zeitraum so weit zurück, bis wieder Monate mit regulärem Einkommen aus der Zeit vor der ersten Geburt zählen. Das kann das Elterngeld für das zweite Kind spürbar erhöhen.
Bis wann muss ich den Elterngeldantrag stellen?
Elterngeld wird rückwirkend nur für die letzten drei Lebensmonate vor dem Antragsmonat gezahlt. Wer zu lange wartet, verliert Ansprüche für die ersten Lebensmonate. Deshalb lohnt es sich, den Antrag möglichst bald nach der Geburt einzureichen.
Erkennt die Elterngeldstelle die auszuklammernden Monate automatisch?
Das passiert nicht immer automatisch. Du solltest im Antrag aktiv auf Monate hinweisen, die ausgeklammert werden sollen. Verlässt du dich darauf, dass die Behörde die günstigste Variante selbst wählt, kann es passieren, dass einkommensschwache Monate trotzdem in die Berechnung einfließen und dein Elterngeld niedriger ausfällt als möglich.
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