Dividenden sind für viele der Inbegriff einer Geldanlage, die für einen arbeitet. Genau hier wird das geplante Altersvorsorgedepot interessant, denn während im normalen Depot jede Ausschüttung sofort ihren Anteil an den Fiskus verliert, sollen Dividenden im Altersvorsorgedepot in der Ansparphase komplett steuerfrei bleiben. Was das für deine Rendite bedeutet und worauf du achten solltest, schauen wir uns Schritt für Schritt an.
Wie werden Dividenden im Altersvorsorgedepot behandelt?
Dividenden und Ausschüttungen bleiben im Altersvorsorgedepot bezüglich der deutschen Ertragsteuern während der gesamten Ansparphase steuerfrei. Das gilt genauso für Kursgewinne und Zinsen. Solange das Geld im Vertrag bleibt, fällt weder die deutsche Abgeltungssteuer noch die jährliche Vorabpauschale an. Ein Hinweis für die Praxis: Ausländische Quellensteuern (z. B. bei US-Titeln) werden auf Fondsebene im Ursprungsland weiterhin einbehalten, da das deutsche Gesetz nur die inländische Besteuerung aussetzt
Weder die Abgeltungssteuer noch die jährliche Vorabpauschale spielen eine Rolle, solange dein Kapital im Depot arbeitet. Auch beim Umschichten deines Portfolios fällt keine Steuer an. Erst wenn du im Ruhestand tatsächlich Geld entnimmst, wird besteuert. Wie das dann konkret abläuft, zeigt der Blick auf die Auszahlungsphase des Altersvorsorgedepots. Diese Verlagerung nennt sich nachgelagerte Besteuerung.
Was das für den Zinseszinseffekt deiner Dividenden bedeutet
Weil keine Steuer jährlich einen Teil deiner Dividenden abzweigt, bleibt die volle Bruttoausschüttung im Depot und kann weiter für dich arbeiten. Im normalen Depot wandert bei jeder Ausschüttung ein Stück Rendite ab, das dir für die Wiederanlage fehlt. Über zwei oder drei Jahrzehnte summiert sich dieser Unterschied deutlich.
Jede Dividende, die du komplett und ohne Abzug wieder anlegst, wirft in den Folgejahren selbst wieder Erträge ab, die ebenfalls steuerfrei bleiben. So entfaltet der Zinseszinseffekt seine volle Kraft, und das über die gesamte Ansparphase.
Wann startet das Altersvorsorgedepot?
Das Altersvorsorgedepot ist geplant und soll ab dem 1. Januar 2027 angeboten werden. Der Bundesrat hat dem Reformgesetz zugestimmt, sodass der Grundrahmen steht. Trotzdem gilt vieles als vorläufig, weil viele Detailregeln erst durch Umsetzungsvorschriften und die Produktgestaltung der Anbieter konkretisiert werden.Einen umfassenden Überblick zum geplanten Altersvorsorgedepot findest du separat.
Sind ausschüttende ETFs und Dividendenfonds im Altersvorsorgedepot erlaubt?
Ja, ausschüttende ETFs und Dividendenfonds sind im Altersvorsorgedepot erlaubt, sofern sie die allgemeinen Zulassungskriterien erfüllen. Das Depot ist als frei gestaltbares Wertpapierdepot gedacht, in dem du deine Anlage individuell zusammenstellst. Sowohl ausschüttende als auch thesaurierende Produkte sind möglich.
Zugelassen sind breit gestreute Investmentfonds und ETFs in den Risikoklassen 1 bis 5, europäische Staatsanleihen in Euro, Geldmarktfonds sowie bestimmte offene Alternativfonds. Weil darunter auch klassisch ausschüttende Bausteine fallen, gehören ausschüttende Varianten grundsätzlich dazu. Gleichzeitig gibt es eine Ausschlussliste, die dich vor unangemessenen Risiken in der Altersvorsorge schützen soll. Nicht erlaubt sind:
- Einzelaktien
- Kryptowerte wie Bitcoin oder Ethereum
- Derivate und Hebelprodukte wie Optionen und Futures
- gehebelte ETFs sowie Zertifikate
Für dich als Dividendenanleger heißt das, dass du eine Dividendenstrategie nur über Fonds und ETFs umsetzen kannst, nicht über einzelne Aktien. In der Praxis ist das keine echte Einschränkung. Über breit gestreute Dividenden-ETFs oder globale Aktien-ETFs mit natürlicher Ausschüttung deckst du dividendenstarke Unternehmen bequem ab, ganz ohne Klumpenrisiko einzelner Titel.
Ausschüttend oder thesaurierend: Was lohnt sich im Altersvorsorgedepot mehr?
Steuerlich macht es in der Ansparphase keinen Unterschied, ob du ausschüttende oder thesaurierende Produkte wählst. Beide Varianten sind gleichgestellt, solange die Erträge im Vertrag bleiben. Der entscheidende Unterschied entsteht allein durch die Wiederanlage der Ausschüttungen.
Ein thesaurierender Fonds legt Dividenden automatisch wieder an. Du musst dich um nichts kümmern, und der volle Zinseszinseffekt greift ganz von selbst. Bei einem ausschüttenden Produkt landet die Dividende dagegen zunächst auf dem Verrechnungskonto und muss aktiv wieder investiert werden. Passiert das nicht konsequent, fällt der Wertzuwachs in der Ansparphase geringer aus, obwohl steuerlich nichts verloren geht. Ähnliche Überlegungen helfen auch bei der Frage, ob ein thesaurierender oder ausschüttender ETF ins Kinderdepot gehört.
Ausschüttende Produkte haben aber einen praktischen Vorteil. Weil Umschichtungen im Altersvorsorgedepot steuerfrei sind, kannst du die Ausschüttungen flexibel als Liquiditätsquelle nutzen, um dein Portfolio anzupassen, ohne dass Steuern auf realisierte Gewinne anfallen. Für die meisten, die einfach langfristig Vermögen aufbauen wollen, ist ein thesaurierender Welt-ETF trotzdem die entspannteste Standardlösung.
Unterm Strich ist die Wahl weniger eine Steuerfrage als eine Frage deines Verhaltens und deiner Vorlieben. Wenn du dazu Fragen hast, meld dich gerne bei mir, dann schauen wir gemeinsam, welche Variante zu deinem Alltag passt.
Wie wird die Auszahlung aus dem Altersvorsorgedepot im Alter besteuert?
Die Auszahlung wird im Ruhestand nachgelagert besteuert, also erst dann, wenn du das Geld tatsächlich entnimmst. Wie hoch die Steuer ausfällt, hängt davon ab, ob dein Kapital aus geförderten oder ungeförderten Beiträgen stammt.
Der geförderte Anteil umfasst deine Eigenbeiträge bis 1.800 Euro pro Jahr plus die darauf entfallenden Zulagen. Dieser Teil wird bei Auszahlung vollständig mit deinem persönlichen Steuersatz besteuert, und zwar nicht nur die Gewinne, sondern auch die eingezahlten Beiträge. Das ist die logische Kehrseite dazu, dass du diese Beiträge in der Ansparphase steuerlich entlastet einzahlen konntest. Im Ruhestand liegt dein Steuersatz meist niedriger als im Berufsleben, weshalb sich das häufig auszahlt.
Der ungeförderte Anteil (Beiträge oberhalb der geförderten Grenze von 1.800 Euro) wird steuerlich milder behandelt. Bei einer Kapitalauszahlung im Ruhestand greift nach mindestens 12 Jahren Vertragslaufzeit und ab dem 62. Lebensjahr das Halbeinkünfteverfahren, sodass nur die Hälfte der erzielten Gewinne mit deinem persönlichen Steuersatz besteuert wird. Erfolgt die Auszahlung über einen Auszahlplan oder eine Rente, wird der Ertragsanteil angesetzt.
Bei den Auszahlungsformen bist du flexibel. Zu Beginn der Auszahlungsphase kannst du bis zu 30 Prozent des Kapitals als Einmalbetrag entnehmen. Den Rest verteilst du entweder über einen Auszahlplan bis mindestens zum 85. Lebensjahr oder überführst ihn in eine Rente. Eine Verrentungspflicht wie bei Riester gibt es nicht mehr. Diese Regeln sind Teil des geplanten Systems und können sich bis zum Start noch ändern.
Für dich als Dividendenanleger bedeutet das, dass deine Dividenden im Alter nicht separat als laufende Kapitalerträge besteuert werden. Sie sind Teil des Kapitalstocks und wandern über die Gesamtauszahlung in die Besteuerung, je nachdem, ob sie dem geförderten oder ungeförderten Teil zugeordnet sind.
Wann schlägt das Altersvorsorgedepot ein normales Dividenden-Depot?
Das Altersvorsorgedepot spielt seine Stärke immer dann aus, wenn du langfristig sparst, die Förderung ausschöpfst und die Dividenden konsequent wieder anlegst. Der Kernvorteil liegt in der steuerfreien Ansparphase gegenüber der laufenden Abgeltungssteuer im normalen Depot. Jeder Euro, der nicht jährlich an den Fiskus geht, arbeitet über Jahrzehnte für dich weiter.
Im normalen Depot mildern der Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro pro Person und die Teilfreistellung von 30 Prozent für Aktien-ETFs die Steuerlast zwar ab. Der Pauschbetrag ist bei größeren Depots aber schnell ausgeschöpft, und danach greift die Abgeltungssteuer von rund 26,375 Prozent auf jede weitere Dividende. Im Altersvorsorgedepot fällt diese jährliche Reibung komplett weg.
Eine Beispielrechnung mit Dividendenanteil über 30 Jahre
Nehmen wir an, du zahlst 30 Jahre lang 1.800 Euro pro Jahr ein und investierst in einen Aktien-ETF mit einer angenommenen Gesamtrendite von 7 Prozent pro Jahr, davon 2 Prozent Dividende und 5 Prozent Kursgewinn. Im Altersvorsorgedepot wirken die vollen 7 Prozent auf deinen Kapitalstock, weil die Dividende ungekürzt reinvestiert wird und zusätzlich die Grundzulage von bis zu 540 Euro pro Jahr in den Vertrag fließt. Wer solche Szenarien selbst durchspielen möchte, kann dafür den Altersvorsorgedepot-Rechner für Kosten und Steuern nutzen.
Im normalen Depot wird die Dividende jedes Jahr besteuert. Nach Teilfreistellung landet die effektive Belastung auf die steuerpflichtigen Erträge bei rund 18 Prozent, sodass ein Teil der Dividende gar nicht erst für die Wiederanlage zur Verfügung steht. Über 30 Jahre führt das zu einem spürbar niedrigeren Endkapital, obwohl die Bruttorendite identisch ist. Diese Zahlen sind eine vereinfachte Modellrechnung zur Veranschaulichung, kein garantiertes Ergebnis.
Wenn du das für deine eigene Situation einmal durchrechnen möchtest, komm gerne auf mich zu. Oft ist die Sache klarer, als sie auf den ersten Blick wirkt, sobald man deine konkreten Zahlen und deinen Steuersatz einsetzt.
Wann ein zusätzliches freies ETF-Depot sinnvoll ist
Ein normales ETF-Depot bleibt immer dann die bessere Wahl, wenn du die Dividenden schon jetzt zum Leben brauchst oder maximale Flexibilität willst. Das Altersvorsorgedepot ist zweckgebunden, das Geld ist für den Ruhestand gedacht. Viele fahren deshalb zweigleisig, mit einem geförderten Altersvorsorgedepot für den langen Horizont und einem freien ETF-Depot für kurz- und mittelfristige Ziele, bei dem Dividenden zwar besteuert, aber jederzeit frei verfügbar sind. Ob es dabei sinnvoll ist, sogar zwei Altersvorsorgedepots parallel zu führen, hängt von deinem Sparvolumen ab.
Welche Nachteile solltest du beim Altersvorsorgedepot kennen?
So attraktiv die steuerfreie Ansparphase ist, ganz ohne Haken kommt das Altersvorsorgedepot nicht. Der wichtigste Punkt ist die Zweckbindung. Entnimmst du Geld vor dem 65. Geburtstag, löst das die Rückzahlung von Förderung und Steuervorteilen aus, ähnlich wie bei der Riester-Rente. Dein Kapital ist also langfristig für die Altersvorsorge reserviert und nicht als flexibler Notgroschen gedacht.
Auch bei den Kosten lohnt ein genauer Blick. Für Standardprodukte ist ein Kostendeckel von maximal 1 Prozent Effektivkosten pro Jahr geplant. Das ist deutlich günstiger als viele klassische Riester-Verträge, liegt aber klar über den 0,1 bis 0,2 Prozent, die ein einfaches ETF-Depot bei einem Neobroker kostet. Ein günstiger Anbieter ist deshalb entscheidend, damit die Fördervorteile nicht durch Gebühren aufgezehrt werden. Welche Posten dabei eine Rolle spielen, zeigt der Überblick zu den Kosten des Altersvorsorgedepots.
Im renditeorientierten Depot gibt es außerdem keine Beitragsgarantie. Auf Sicherheit im Sinne eines garantierten Kapitalerhalts wird bewusst verzichtet, damit mehr Geld am Kapitalmarkt investiert werden kann. Das eröffnet höhere Ertragschancen, bedeutet aber auch stärkere Schwankungen. Wer mehr Sicherheit möchte, kann zu gesondert zertifizierten Garantieprodukten mit 80 oder 100 Prozent Kapitalschutz greifen, die dann aber ein anderes Kosten- und Renditeprofil haben.
Schließlich solltest du im Hinterkopf behalten, dass einige Detailregeln bis zum geplanten Start 2027 noch nicht endgültig geklärt sind. Das betrifft etwa die genaue Behandlung von Beiträgen oberhalb der Fördergrenze und die konkrete Umschichtung bestehender Riester-Verträge. Die grundlegende Richtung steht, aber der Feinschliff kommt erst mit den finalen Verwaltungsanweisungen und den konkreten Produkten der Anbieter.
Häufige Fragen
Lasse ist Gründer von SmartKidsInvest und seit über 10 Jahren Finanzberater mit Fokus auf Familien. Sein Ziel: Finanzthemen so erklären, dass sie jede Familie versteht – ohne Fachchinesisch und ohne Verkaufsdruck.






