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Thesaurierend oder ausschüttend: Welcher ETF gehört ins Kinderdepot?

Lasse Falke
Lasse Falke
Finanzexperte für Familien · Aktualisiert am 29. Juli 2026
Thesaurierend oder ausschüttend: Welcher ETF gehört ins Kinderdepot?

Für ein Kinderdepot ist die Wahl zwischen thesaurierendem und ausschüttendem ETF vor allem eine Frage der Steuergestaltung und des Handlings. Wirtschaftlich ist der Unterschied über die gesamte Laufzeit gering, wenn Du Ausschüttungen konsequent wieder anlegst. Spannend wird es, weil sich die hohen Freibeträge des Kindes mit der richtigen Wahl gezielt nutzen lassen.

Eltern fragen mich oft, welche Variante die bessere ist. Die ehrliche Antwort lautet: Beide funktionieren, aber sie spielen ihre Stärken in unterschiedlichen Situationen aus. Welche zu Dir passt, hängt davon ab, wie viel Aufwand Du investieren willst und wie groß das Depot wird.

Was unterscheidet thesaurierende und ausschüttende ETFs?

Ein thesaurierender ETF reinvestiert Dividenden automatisch im Fonds, wodurch der Anteilspreis entsprechend steigt. Ein ausschüttender ETF zahlt die Dividenden regelmäßig auf das Verrechnungskonto aus, von wo Du sie manuell wieder anlegen kannst.

Steuerlich gibt es einen feinen Unterschied im Timing. Beim thesaurierenden ETF fällt jährlich eine Vorabpauschale an, sofern das Zinsniveau und die Marktentwicklung positiv sind, plus die Besteuerung beim Verkauf. Beim ausschüttenden ETF werden die Ausschüttungen sofort an der Quelle besteuert, soweit die Freibeträge nicht greifen.

Über die gesamte Haltedauer ist die Gesamtsteuerlast bei korrektem Umgang mit den Freibeträgen weitgehend gleich. Der Unterschied liegt im Timing, also jetzt versus später, und im Aufwand.

Wie sieht der Steuerrahmen im Kinderdepot aus?

Damit die folgenden Rechenbeispiele Sinn ergeben, brauchst Du die Größenordnungen der Freibeträge. Diese gelten für 2025 und 2026:

  • Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro pro Kind und Jahr
  • Grundfreibetrag von über 12.000 Euro pro Jahr
  • In Summe rund 13.000 Euro Kapitalerträge pro Jahr steuerfrei möglich

Diese Freiräume gelten, solange Dein Kind keine anderen nennenswerten Einkünfte hat und Du eine Nichtveranlagungsbescheinigung nutzt. Damit sind die meisten realistischen Kinderdepot-Szenarien faktisch steuerfrei, wenn Du die Freibeträge aktiv ausschöpfst.

Wie läuft ein ausschüttender ETF im Kinderdepot?

Bei einem ausschüttenden ETF landen die Dividenden direkt auf dem Verrechnungskonto und tauchen als sichtbarer Ertrag des Kindes auf. Ein Rechenbeispiel macht das greifbar.

Du sparst 100 Euro monatlich über 18 Jahre bei 6 Prozent Rendite in einen ausschüttenden Welt-ETF mit 2 Prozent Dividendenrendite. Das Endvermögen liegt bei etwa 38.800 Euro, bei Einzahlungen von 21.600 Euro und Erträgen von rund 17.200 Euro.

Bei einem Depotwert von 30.000 Euro bringen 2 Prozent Dividende etwa 600 Euro pro Jahr. Diese 600 Euro liegen klar unter dem Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro und sind durch den Freistellungsauftrag vollständig abgedeckt. Du legst sie einfach wieder an und thesaurierst damit faktisch selbst, nur mit etwas mehr Handling.

Erst bei großen Depots wird es relevant. Bei 100.000 Euro Depotwert wären 2 Prozent Dividende schon 2.000 Euro. Hier nutzt Du dann die Nichtveranlagungsbescheinigung, um alles innerhalb der rund 13.000 Euro steuerfreien Kapitalerträge zu halten.

Wie läuft ein thesaurierender ETF im Kinderdepot?

Bei gleichem Setup mit 100 Euro monatlich, 6 Prozent Rendite und 18 Jahren landest Du ebenfalls bei rund 38.200 Euro. Der Unterschied: Die Dividenden werden im Fonds reinvestiert und erhöhen den Anteilspreis, ohne dass Du selbst etwas tun musst.

Steuerlich kann jährlich eine Vorabpauschale anfallen, wenn das Vorjahr positiv war und das Zinsniveau stimmt. Diese Vorabpauschale gilt als fiktiver Ertrag und ist wie eine Ausschüttung steuerpflichtig, allerdings meist in überschaubarer Höhe.

Im Kinderdepot mit Freistellungsauftrag und Nichtveranlagungsbescheinigung laufen die Vorabpauschalen und späteren Veräußerungsgewinne in dieselben Freibeträge wie echte Ausschüttungen. Solange die Gesamterträge unter rund 13.000 Euro pro Jahr bleiben, bleibt alles steuerfrei.

Wirtschaftlich ist der Zinseszinseffekt beim thesaurierenden ETF minimal effizienter, weil keine Zwischensteuern anfallen. In typischen Kinderdepots bleibt dieser Vorteil aber überschaubar, sofern Du Ausschüttungen ohnehin konsequent reinvestierst.

Wie nutzt Du die Freibeträge gezielt mit Ausschüttungen?

Eine bewusste Strategie nutzt ausschüttende ETFs, um den Sparerpauschbetrag und den Grundfreibetrag mit echten Cash-Flows aktiv auszuschöpfen. Das ergibt vor allem bei größeren Depots Sinn.

Angenommen, Du willst jährlich 1.500 Euro Ausschüttungen im Kinderdepot erzeugen. Bei 2 Prozent Dividendenrendite brauchst Du dafür ein Depotvolumen von etwa 75.000 Euro. Die steuerliche Aufteilung sieht dann so aus:

  • 1.000 Euro werden durch den Sparerpauschbetrag abgedeckt
  • Die restlichen 500 Euro fallen in den Grundfreibetrag des Kindes
  • Mit Nichtveranlagungsbescheinigung zahlt das Kind auf beides keine Steuer

Das Ergebnis sind 1.500 Euro reale Cash-Ausschüttung ohne Steuer. Legst Du sie wieder an, baust Du das Vermögen weiter auf, allerdings mit zusätzlichem Wiederanlageaufwand.

Was hat die Familienversicherung mit der ETF-Wahl zu tun?

Bei ausschüttenden ETFs werden alle Erträge als Einkünfte des Kindes sichtbar und können für die Grenze der gesetzlichen Familienversicherung relevant werden. Diese Grenze liegt aktuell grob bei 7.000 Euro zu versteuernden Einkünften pro Jahr.

Hier hilft die Teilfreistellung von 30 Prozent bei Aktien-ETFs. Das bedeutet konkret:

  • 10.000 Euro realisierte Gewinne entsprechen nur etwa 7.000 Euro steuerpflichtigen Einkünften
  • Die restlichen 30 Prozent bleiben bei der Berechnung außen vor

Wer nah an der Familienversicherungsgrenze operiert, etwa beim 16- bis 18-jährigen Kind mit Nebenjob, muss bei ausschüttenden ETFs die Summen im Blick behalten. Thesaurierende ETFs in Kombination mit gezieltem Realisieren von Gewinnen bieten hier einen besseren Timinghebel, weil Du selbst steuerst, wann Erträge sichtbar werden.

Lohnt sich eine Kombination aus beiden Varianten?

Die Empfehlungen gehen auseinander, lassen sich aber klar begründen. Manche raten zu reinen thesaurierenden ETFs für maximalen Zinseszins und minimale Komplexität. Andere empfehlen ausschüttende ETFs, um die Freibeträge mit echten Cash-Flows abzuernten.

Ein ausgewogener Ansatz kombiniert beide Welten:

  • 50 Prozent ausschüttender ETF, dessen Erträge den Sparerpauschbetrag und Grundfreibetrag nutzen
  • 50 Prozent thesaurierender ETF, der störungsfrei durchläuft und den Zinseszins maximiert
  • Periodisches Realisieren von Gewinnen im thesaurierenden Teil, um die Freibeträge weiter auszuschöpfen

So verbindest Du Steueroptimierung, aktive Nutzung der Freibeträge und einen hohen Automatisierungsgrad. Diese Kombination ist in der Beratung oft die flexibelste Lösung.

Welche Variante passt zu Deiner Familie?

Ein reiner thesaurierender ETF passt zu Dir, wenn Du maximale Einfachheit willst, keine Lust hast, jährlich Ausschüttungen zu verplanen, oder wenn Dein Kind später andere Einkünfte hat und Du die Steuer bewusst in die Zukunft schieben möchtest.

Ein reiner ausschüttender ETF passt, wenn Du den Sparerpauschbetrag und Grundfreibetrag mit realen Cash-Flows aktiv nutzen willst und diszipliniert genug bist, die Ausschüttungen konsequent wieder anzulegen, statt sie versickern zu lassen.

Für die meisten Familien sieht mein Beratungsraster so aus: Als Standard ein thesaurierender Welt-ETF, als Option eine ausschüttende Beimischung zur Freibetragsnutzung, und für fortgeschrittene Setups eine Rebalancing-Strategie mit jährlicher Gewinnrealisierung innerhalb der Freibeträge.

Am Ende ist die Wahl zwischen thesaurierend und ausschüttend keine Glaubensfrage, sondern eine Frage Deiner Ziele und Deines Aufwands. Wenn Du wissen willst, welche Aufteilung für Dein Depot und Deine Sparrate am meisten herausholt, schauen wir das gemeinsam durch.

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Lasse ist Gründer von SmartKidsInvest und seit über 10 Jahren Finanzberater mit Fokus auf Familien. Sein Ziel: Finanzthemen so erklären, dass sie jede Familie versteht – ohne Fachchinesisch und ohne Verkaufsdruck.

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