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Altersvorsorgedepot: Die richtige ETF-Auswahl

Lasse Falke
Lasse Falke
Finanzexperte für Familien · Aktualisiert am 15. August 2026
Altersvorsorgedepot: Die richtige ETF-Auswahl

Ein Depot für die Altersvorsorge, in dem du ganz bewusst auf ETFs setzt, statt dein Geld in einem starren Garantieprodukt festzurren zu lassen? Genau das soll das geplante Altersvorsorgedepot ab 2027 ermöglichen, den Nachfolger der Riester-Rente. Die spannendste Frage für dich als Sparer ist dabei ganz praktisch: Welche ETFs darfst du überhaupt einsetzen, und welche machen für deine Rente wirklich Sinn?

Alle Regeln, die ich dir gleich erkläre, beruhen auf dem aktuellen Stand des Gesetzentwurfs zum Altersvorsorgereformgesetz. Sie stellen den geplanten Rahmen dar und sind noch kein finales Recht. Die Grundzüge stehen fest, im laufenden Gesetzgebungsverfahren können sich bis zum geplanten Start 2027 aber noch Details anpassen.

Welche ETFs darfst du im Altersvorsorgedepot überhaupt nutzen?

Du kannst nicht einfach jedes beliebige Wertpapier ins Altersvorsorgedepot legen. Der Gesetzentwurf sieht eine sogenannte Positivliste vor, also eine abschließende Aufzählung aller zulässigen Vermögensgegenstände. Alles, was nicht auf dieser Liste steht, fällt raus. Klingt streng, ist aber vor allem als Schutz für dich gedacht.

Entscheidend ist das Risiko eines Fonds, gemessen am sogenannten SRRI. Diese Kennzahl findest du im Produktinformationsblatt jedes Fonds. Sie reicht von 1 bis 7 und bildet ab, wie stark ein Fonds in der Vergangenheit geschwankt hat. Je höher die Zahl, desto größer die Schwankungen. Für das Altersvorsorgedepot sind Fonds und ETFs der SRRI-Kategorien 1 bis 5 zugelassen, die Kategorien 6 und 7 gelten als zu riskant. Die meisten breit gestreuten Welt-ETFs bewegen sich im oberen Bereich der erlaubten Klassen und passen damit gut hinein.

Was erlaubt ist und was nicht, lässt sich so zusammenfassen:

  • Erlaubt sind breit gestreute Investmentfonds und ETFs der SRRI-Klassen 1 bis 5
  • Erlaubt sind Anleihen von EU-Staaten sowie von deutschen Ländern und Gemeinden
  • Ausgeschlossen sind Einzelaktien
  • Ausgeschlossen sind Zertifikate und Kryptowährungen
  • Ausgeschlossen sind komplexe oder spekulative Produkte

Die endgültige Positivliste ist im Detail noch nicht veröffentlicht, deshalb lässt sich noch keine fixe Liste einzelner Fonds mit ISIN nennen. An den grundsätzlichen Kriterien wird sich aber voraussichtlich wenig ändern: breit gestreut, reguliert, nicht zu volatil.

Welcher ETF eignet sich am besten für deine Altersvorsorge?

Am besten eignet sich ein breit gestreuter Welt-ETF als Kernbaustein. Das ist keine Modeempfehlung, sondern die Konsequenz aus einem einfachen Prinzip: Streuung senkt dein Risiko. Statt auf einzelne Unternehmen oder Länder zu setzen, verteilst du dein Geld über die gesamte Weltwirtschaft.

Die drei bekanntesten Bausteine dafür sind der MSCI World, der MSCI ACWI und der FTSE All-World. Sie unterscheiden sich vor allem darin, wie viele Unternehmen und Länder sie abbilden. Der MSCI World umfasst rund 1.500 große und mittlere Unternehmen aus 23 Industrieländern. Der MSCI ACWI geht weiter und enthält knapp über 2.500 Unternehmen aus insgesamt 47 Ländern, also auch Schwellenländer wie China oder Südkorea. Der FTSE All-World deckt mit rund 3.900 Unternehmen ebenfalls Industrie- und Schwellenländer ab.

Enthaltene UnternehmenAbgedeckte LänderSchwellenländer enthalten
MSCI Worldrund 1.50023 Industrieländernein
MSCI ACWIknapp über 2.50047 Länderja
FTSE All-Worldrund 3.900Industrie- und Schwellenländerja

Die breitere Streuung von MSCI ACWI und FTSE All-World ist für die Altersvorsorge ein Vorteil, weil sie deine Abhängigkeit von einzelnen Regionen verringert. Interessant ist der Blick auf die Rendite: Zwischen 2021 und 2025 erzielte der MSCI ACWI im Schnitt rund 12,35 Prozent pro Jahr, der MSCI World etwas mehr mit rund 13,34 Prozent. Der Unterschied kommt vor allem daher, dass Schwellenländer in diesem Zeitraum etwas schwächer liefen.

Lass dich von diesen Zahlen aber nicht blenden. Das sind historische Werte, keine Garantie für die Zukunft. Fünf gute Jahre lassen sich nicht einfach in die nächsten Jahrzehnte verlängern. Für die langfristige Rente zählt die breite Streuung mehr als ein kurzfristiger Renditevorsprung. Wer ohne langes Grübeln einsteigen möchte: Ein einziger ETF auf den MSCI ACWI oder den FTSE All-World reicht als Fundament völlig aus. Du bist damit weltweit investiert, hältst die Kosten niedrig und musst dich um nichts weiter kümmern.

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Worauf musst du bei der konkreten ETF-Auswahl achten?

Wenn du deinen konkreten ETF aussuchst, ist die laufende Kostenquote, die TER, der wichtigste Hebel. Bei Welt-ETFs gilt eine TER von unter 0,3 Prozent pro Jahr als empfehlenswert. Klingt nach wenig, macht über Jahrzehnte aber einen deutlichen Unterschied, weil die Kosten Jahr für Jahr an deiner Rendite knabbern. Wie stark die Kosten des Altersvorsorgedepots insgesamt ins Gewicht fallen, solltest du dabei genau im Blick behalten.

Wie stark sich das auswirkt, siehst du an einem einfachen Beispiel. Stell dir vor, du sparst 30 Jahre lang monatlich 100 Euro, also 1.200 Euro im Jahr, bei einer Rendite von 7 Prozent vor Kosten. Bei einer sehr günstigen TER von 0,07 Prozent landest du netto bei etwa 6,93 Prozent Rendite pro Jahr und kommst grob auf rund 120.000 Euro. Mit einer teureren TER von 0,50 Prozent sinkt die Nettorendite auf rund 6,5 Prozent, und der Endwert liegt eher bei 110.000 bis 111.000 Euro. Ein paar Zehntel Prozent Kostenunterschied kosten dich also einen fast fünfstelligen Betrag. Wenn du solche Effekte durchrechnen willst, hilft dir der Altersvorsorgedepot-Rechner weiter.

Wenn du bei solchen Rechnungen unsicher bist, meld dich gerne bei mir, dann gehen wir deinen Sparplan gemeinsam durch. Meistens ist es einfacher, als es auf den ersten Blick wirkt.

Thesaurierend oder ausschüttend?

Thesaurierende ETFs legen Erträge automatisch wieder an, ausschüttende zahlen sie dir aus. Ob thesaurierend oder ausschüttend die bessere Wahl ist, hängt vom Depottyp ab. Im Altersvorsorgedepot fällt in der Ansparphase aber keine Kapitalertragsteuer an, deshalb spielt der Unterschied hier eine kleinere Rolle. Für die möglichst einfache Nutzung des Zinseszinseffekts sind thesaurierende ETFs trotzdem oft die entspanntere Wahl, weil du dich um nichts kümmern musst.

Physisch oder synthetisch?

Physisch replizierende ETFs kaufen die enthaltenen Aktien tatsächlich, synthetische bilden den Index über Tauschgeschäfte nach. Physisch gilt als transparenter, synthetisch bringt ein kleines zusätzliches Risiko gegenüber dem Tauschpartner mit. In der Praxis sind TER und langfristige Wertentwicklung meist wichtiger als diese Unterscheidung, solange das Produkt reguliert und nachvollziehbar ist.

Neben den Kosten lohnt sich ein Blick auf ein paar handfeste Praxispunkte, an denen du einen soliden ETF erkennst:

  • Ein Fondsvolumen von mindestens 100 Millionen Euro als Zeichen für Stabilität
  • Handel an der deutschen Referenzbörse Xetra
  • Deutschsprachige Anlegerinformationen, die online verfügbar sind
  • Eine Historie von mindestens fünf Jahren

Erfüllt ein ETF diese Punkte und bildet er einen breiten Weltindex ab, hast du schon fast alles richtig gemacht. Welche Produkte am Ende zur Auswahl stehen, hängt davon ab, was dein Anbieter innerhalb der Positivliste anbietet.

Standarddepot oder eigene ETFs auswählen: Was passt zu dir?

Beim Altersvorsorgedepot hast du grundsätzlich zwei Wege. Entweder du greifst zum Standarddepot mit fertiger Mischung, oder du stellst deine ETFs selbst zusammen. Beides hat seine Berechtigung, es kommt auf deinen Typ an.

Das Standarddepot ist als besonders einfach zu handhabende Variante gedacht. Es setzt auf eine breit gestreute und kostengünstige Mischung aus einem Aktien- und einem Rentenfonds, der Anbieter übernimmt die Aufteilung für dich. Besonders wichtig ist die gesetzliche Kostenbremse: Bei Standardprodukten dürfen die Effektivkosten höchstens 1,0 Prozent pro Jahr betragen. Diese Grenze gilt ausdrücklich nur für die Standarddepots. Du brauchst kein tiefes Finanzwissen, verlierst dich nicht in Produktdetails und die Kosten bleiben gedeckelt. Für viele Sparer ist das der bequemste und zugleich verlässliche Weg.

Das individuelle Altersvorsorgedepot gibt dir dagegen die freie ETF-Wahl, solange die Produkte die Positivliste erfüllen. Du entscheidest selbst über Aktienquote, Anleiheanteil und die einzelnen Fonds. Damit trägst du aber auch mehr Eigenverantwortung, etwa bei Kosten, Replikation und dem regelmäßigen Nachjustieren. Ob du dafür sogar auf zwei Depots setzen kannst, ist eine Frage, die sich manche Sparer zusätzlich stellen.

Das Standarddepot lohnt sich, wenn du wenig Zeit hast, dich nicht ständig mit dem Depot beschäftigen möchtest und eine verlässliche, kostengünstige Lösung suchst. Die eigene ETF-Wahl passt zu dir, wenn du dich mit ETFs auskennst, deine Aktienquote gezielt steuern willst und Freude daran hast, dein Portfolio selbst in der Hand zu haben.

Wie stellst du dein ETF-Portfolio nach Alter und Risiko zusammen?

Wie viel Aktien in dein Depot gehören, hängt vor allem von deinem Anlagehorizont und deiner Risikobereitschaft ab. Je länger du bis zur Rente sparst, desto mehr Schwankungen kannst du aushalten, weil du genug Zeit hast, Kursrückgänge auszusitzen. Als grobe Orientierung lassen sich drei typische Profile beschreiben, die sich an gängigen Musterportfolios orientieren:

  • Chancenorientiert mit 70 bis 100 Prozent Aktien für eine lange Ansparphase und hohe Risikobereitschaft
  • Ausgewogen mit einer 50:50-Mischung aus Aktien-ETFs und Anleihe-ETFs
  • Defensiv mit rund 30 Prozent Aktien und 70 Prozent Anleihen für die Zeit kurz vor dem Ruhestand

Dahinter steckt die Life-Cycle-Idee. Du startest jung mit einer hohen Aktienquote, um von den Renditechancen zu profitieren, und senkst diese Quote im Laufe der Jahre Schritt für Schritt. So schützt du dein bereits aufgebautes Kapital vor einem Kurseinbruch kurz vor Rentenbeginn. Im Standarddepot übernimmt diese Anpassung meist der Anbieter für dich, im individuellen Depot musst du selbst daran denken.

Ein Stichwort dazu ist das Rebalancing. Damit bringst du dein Portfolio in regelmäßigen Abständen wieder auf die gewünschte Aufteilung zurück, wenn sich die Gewichte durch Kursbewegungen verschoben haben. Klingt technisch, ist aber im Grunde nur ein bisschen Ordnung halten. Wenn du beim Zusammenstellen deiner Quote unsicher bist, schauen wir das gerne gemeinsam an und passen es an deine Lebenssituation an.

Sind ETFs im Altersvorsorgedepot für dich sinnvoll?

Für viele Sparer lohnt sich das Altersvorsorgedepot mit ETFs, aber nicht für jeden gleich stark. Der große Vorteil liegt in der Kombination aus Steuerstundung und staatlicher Förderung, und die wirkt über lange Zeiträume kräftig.

In der Ansparphase fallen keine Steuern auf Wertsteigerungen und Erträge an. Dein komplettes Kapital bleibt im Depot und arbeitet über Jahrzehnte für dich, der Zinseszins läuft ungebremst. In einem normalen ETF-Depot wären Dividenden und Kursgewinne dagegen jedes Jahr über die Abgeltungsteuer und die Vorabpauschale zu versteuern. Genau dieser Unterschied macht über 30 Jahre viel aus. Wie sich das Kapital später verhält, kannst du dir in der Auszahlungsphase des Altersvorsorgedepots genauer ansehen.

Dazu kommen die Zulagen. Geplant sind eine Grundzulage von bis zu 540 Euro pro Jahr, eine Kinderzulage von bis zu 300 Euro pro Kind und Jahr sowie einmalig ein Berufseinsteigerbonus von 200 Euro für unter 25-Jährige. Ein ungeförderter ETF-Sparplan bietet nichts davon. Gerade Familien mit Kindern und Menschen mit kleinem bis mittlerem Einkommen holen so eine Förderung raus, die die effektive Eigenleistung spürbar senkt.

So verlockend das klingt, es gibt auch klare Schattenseiten, die du kennen solltest:

  • Strenge Zweckbindung, das Geld ist grundsätzlich erst im Ruhestand verfügbar
  • Förderschädliche Entnahmen vor dem 65. Geburtstag, bei denen du Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen musst
  • Volle Besteuerung der Auszahlungen mit deinem persönlichen Einkommensteuersatz
  • Förderfähige Einzahlungen sind auf 1.800 Euro pro Jahr begrenzt

Sinnvoll ist das Altersvorsorgedepot vor allem, wenn du jung bist, eine lange Ansparphase vor dir hast und eine hohe Aktienquote akzeptierst. Auch Selbstständige und Familien mit Kindern profitieren besonders. Wenn du dein Geld dagegen flexibel halten willst, weil du es vielleicht für einen Hauskauf oder andere Ziele brauchst, ist ein normales ETF-Depot oft die bessere Wahl. Häufig ist übrigens eine Kombination aus beidem der schlaueste Weg: das Altersvorsorgedepot für die geförderte Rente, ein flexibles Depot für alles andere.

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Häufige Fragen

Ein breit gestreuter Welt-ETF als Kernbaustein, etwa auf den MSCI ACWI oder den FTSE All-World. Beide decken Industrie- und Schwellenländer ab und machen dich unabhängiger von einzelnen Regionen.
Den einen besten ETF gibt es nicht. Entscheidend ist, dass er breit streut, eine niedrige TER von unter 0,3 Prozent hat und die Positivliste des Altersvorsorgedepots erfüllt.
Für viele Sparer ja, vor allem bei langer Ansparphase und hoher Aktienquote. Wer sein Geld flexibel halten will, fährt dagegen oft mit einem normalen ETF-Depot besser.
Als Basis reicht ein breit gestreuter Welt-ETF. Zur Dämpfung der Schwankungen kannst du einen Anleihe-ETF ergänzen und die Aktienquote nach Alter und Risikobereitschaft einstellen.
Geplant ist der Start zum 1. Januar 2027. Die Regelungen spiegeln den aktuellen Stand des Gesetzentwurfs wider und können sich im laufenden Gesetzgebungsverfahren bis zum finalen Beschluss noch anpassen.
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Lasse ist Gründer von SmartKidsInvest und seit über 10 Jahren Finanzberater mit Fokus auf Familien. Sein Ziel: Finanzthemen so erklären, dass sie jede Familie versteht – ohne Fachchinesisch und ohne Verkaufsdruck.

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