Kaum ist das Taschengeld ausgezahlt, taucht schon die erste Frage auf: Muss mein Kind davon jetzt seine Hefte kaufen? Oder die neue Winterjacke? Genau hier gehen die Meinungen in Familien oft auseinander, und das ist völlig verständlich. Taschengeld soll deinem Kind beibringen, mit Geld umzugehen, und trotzdem darf es die Grundversorgung niemals ersetzen. Wo die Grenze zwischen Wunsch und Pflichtausgabe verläuft, lässt sich klarer ziehen, als du vielleicht denkst.
Wofür ist Taschengeld eigentlich gedacht?
Taschengeld ist Geld für Wünsche, nicht für Pflichtausgaben. Dein Kind soll damit die kleinen Extras finanzieren, die über die tägliche Versorgung hinausgehen: Süßigkeiten, ein Spielzeug, einen Kinobesuch. Alles, was zum Leben notwendig ist, bleibt weiterhin deine Aufgabe.
In Deutschland gibt es übrigens keine gesetzliche Pflicht, Taschengeld zu zahlen, und auch keine Vorschrift zur Höhe. Das Familienportal der Bundesregierung stellt das ganz klar fest, empfiehlt Taschengeld aber ausdrücklich, damit Kinder lernen, mit Geld umzugehen. Es ist also freiwillig, aber pädagogisch enorm wertvoll.
Mehr Verantwortung, mehr Geld
Eine einfache Grundregel hilft dir bei der Höhe: Je mehr Ausgabenbereiche du deinem Kind überträgst, desto höher darf der Betrag ausfallen. Ein Sechsjähriger, der nur ab und zu Süßigkeiten kauft, braucht wenig. Ein Sechzehnjähriger, der einen Teil seiner Freizeit und Kleidung selbst bezahlt, braucht spürbar mehr.
Für die Grundversorgung bist und bleibst du zuständig. Das ergibt sich aus deiner Unterhaltspflicht. Taschengeld ist der geschützte Spielraum, in dem dein Kind eigene Entscheidungen treffen darf, ohne dass Bildung oder Gesundheit davon abhängen. Genau das macht es zu so einem guten Lernfeld.
Was sollten Kinder vom Taschengeld selbst bezahlen?
Kinder sollten vom Taschengeld die freiwilligen Extras bezahlen, die nicht zur Grundversorgung gehören. Was das ist, verändert sich mit dem Alter deutlich, weil der Verantwortungsbereich Schritt für Schritt mitwächst, je selbstständiger dein Kind wird.
Ein Blick auf die drei großen Lebensphasen zeigt dir, was in welchem Alter sinnvoll ist. Du wirst schnell merken, dass sich das ganz natürlich entwickelt.
Grundschulalter (6 bis 10): kleine, spontane Wünsche
In diesem Alter geht es um die kleinen Dinge des Alltags. Dein Kind denkt in überschaubaren Beträgen, und die unmittelbare Freude steht im Vordergrund. Genau das ist gut so, denn hier legst du die Grundlagen fürs Budgetverständnis. Wenn du dich fragst, welcher Betrag zum Einstieg passt, hilft ein Blick darauf, wie viel Taschengeld mit 10 Jahren okay ist.
Typisch für diese Phase sind Ausgaben, die dein Kind selbst tragen kann:
- Süßigkeiten am Kiosk oder im Supermarkt
- kleine Spielsachen
- Sammelkarten und Sticker
- günstige Accessoires und spontane Kleinwünsche
Wenn das Taschengeld für die Woche aufgebraucht ist, sollte dein Kind das auch spüren dürfen. Finanztip rät ausdrücklich davon ab, dann einfach nachzuschießen. Nur so lernt dein Kind, dass Geld begrenzt ist und man abwägen muss. Das klingt manchmal härter, als es ist, aber es ist eine der wertvollsten Lektionen überhaupt.
Frühe Jugend (11 bis 14): Freizeit und erste Modewünsche
Jetzt werden Freundschaften, Gruppenerlebnisse und die eigene Selbstdarstellung wichtiger. Entsprechend verschiebt sich, wofür das Taschengeld genutzt wird. Dein Kind bezahlt nun eher ganze kleine Erlebnisse statt nur einzelner Naschereien.
Dazu gehören Kinobesuche, kleine Ausflüge mit Freunden, Snacks unterwegs, günstige Apps oder Musik-Downloads sowie erste kleinere Modewünsche. Größere Sachen wie Urlaub, Vereinsbeiträge oder teurere Technik bleiben bei dir. Wie sich der Betrag in dieser Phase entwickelt, siehst du gut daran, wie viel Taschengeld mit 13 Jahren okay ist. Bei digitalen Käufen lohnt es sich, klare Regeln und technische Schutzmechanismen zu setzen, damit dein Kind lernt, dass auch virtuelle Dinge Geld kosten.
Späte Jugend (15 bis 18): Ausgehen, Kleidung, Mobilität
Jetzt wird der Radius größer. Jugendliche haben ein starkes Bedürfnis nach Autonomie, das sich in Ausgehen, Restaurantbesuchen, Fahrten mit dem Nahverkehr und einem differenzierten Mode- und Pflegebedarf zeigt. Aus Taschengeld und ergänzendem Budgetgeld können sie einen Teil davon selbst stemmen.
So kann dein Kind zum Beispiel Freizeitkleidung, Essen unterwegs oder einen Anteil an den Handykosten übernehmen. Zentrale Lebenshaltungskosten schiebst du dabei aber nie komplett auf dein Kind. Vereinbare alles im Einvernehmen mit deinem Kind: Wenn ihr gemeinsam festlegt, welche Kategorien es selbst verwaltet, entstehen keine Missverständnisse, und dein Kind versteht die dahinterstehenden Kosten viel besser. Wie sich der Rahmen zum Ende der Jugend hin verschiebt, zeigt der Blick darauf, wie viel Taschengeld mit 18 Jahren fair ist.
Was bleibt Sache der Eltern und gehört nicht ins Taschengeld?
Sache der Eltern bleibt alles, was zum existenzsichernden Lebensunterhalt deines Kindes gehört. Das ergibt sich aus deiner Unterhaltspflicht, die im Zivilrecht verankert ist, und aus der Systematik des Existenzminimums im SGB XII. Diese Grundbedarfe darfst du niemals aufs Taschengeld verlagern.
Ganz konkret gehören dazu:
- Grundnahrung, Wohnen und Heizung: Ernährung, Unterkunft und Haushaltsenergie zählen ausdrücklich zum notwendigen Lebensunterhalt.
- Schulbedarf: Schulbücher, Hefte, Stifte, Lernmittel und verpflichtende Klassenfahrten sind deine Aufgabe.
- Basiskleidung: wetterangepasste Alltagskleidung, Schuhe und Sportbekleidung für den Unterricht.
Selbst wenn das Taschengeld mal komplett verbraucht ist, bleiben Schulmaterial und Verpflegung immer gesichert.
Wo verläuft die Grenze zwischen Grundausstattung und Wunsch?
Bei Kleidung wird es oft knifflig. Die Basisausstattung stellst du sicher. Besondere Modewünsche, teure Markenprodukte oder zusätzliche Stücke darüber hinaus kann dein Kind aus Taschengeld oder Budgetgeld mitfinanzieren. Ähnlich beim Essen: Die tägliche Verpflegung zu Hause ist deine Sache, ein Snack in der Mensa oder unterwegs kann über Budgetgeld laufen.
Du darfst deinem Kind also nicht sagen, es solle von seinem Taschengeld einen Teil der Miete oder Beiträge zur Krankenversicherung zahlen. Solche Ausgaben fallen eindeutig in den notwendigen Lebensunterhalt, und daran ändert sich auch nichts, wenn das Taschengeld mal üppiger ausfällt. Wie sich der gesamte finanzielle Rahmen zusammensetzt, wird deutlicher, wenn du dir anschaust, wie viel Geld man monatlich für ein Kind braucht.
Wie viel Taschengeld ist pro Alter sinnvoll?
Als Orientierung dienen die Richtwerte des Deutschen Jugendinstituts (DJI), die regelmäßig an die Preisentwicklung angepasst werden und sowohl im Familienportal der Bundesregierung als auch bei Stiftung Warentest aufgegriffen werden. Sie sind keine feste Vorschrift, geben dir aber einen verlässlichen Rahmen.
Bei jüngeren Kindern werden Wochenbeträge empfohlen, weil sie einen ganzen Monat noch nicht überblicken können. Ab etwa zehn Jahren wechselst du auf Monatsbeträge, damit dein Kind lernt, mit einer größeren Summe über längere Zeit zu haushalten. Die folgenden Werte stammen aus der DJI-Empfehlung im Stiftung-Warentest-Ratgeber, Stand 2024.
| Alter | Empfohlener Betrag | Rhythmus |
|---|---|---|
| unter 6 Jahre | 1 bis 2 Euro | pro Woche |
| 6 Jahre | 2 bis 2,50 Euro | pro Woche |
| 7 Jahre | 2,50 bis 3 Euro | pro Woche |
| 8 Jahre | 3 bis 3,50 Euro | pro Woche |
| 9 Jahre | 3,50 bis 4 Euro | pro Woche |
| 10 Jahre | 20 bis 22,50 Euro | pro Monat |
| 11 Jahre | 22,50 bis 25 Euro | pro Monat |
| 12 Jahre | 25 bis 27,50 Euro | pro Monat |
| 13 Jahre | 27,50 bis 30 Euro | pro Monat |
| 14 Jahre | 30 bis 40 Euro | pro Monat |
| 15 Jahre | 40 bis 50 Euro | pro Monat |
| 16 Jahre | 50 bis 60 Euro | pro Monat |
| 17 Jahre | 60 bis 70 Euro | pro Monat |
| ab 18 Jahre | 70 bis 75 Euro | pro Monat |
Diese Beträge sind bewusst so bemessen, dass sie Spielraum für eigene Entscheidungen lassen, ohne zu einem Ersatzlohn zu werden. Wie viel du am Ende gibst, hängt von deiner finanziellen Situation ab und davon, welche Ausgaben dein Kind selbst tragen soll. Auch in Familien mit knapperem Budget erfüllt schon ein kleines Taschengeld seine Lernfunktion. Gerade die niedrigen Beträge für jüngere Kinder sind bewusst gut leistbar gehalten.
Das Familienportal weist übrigens darauf hin, dass du bei Fragen zu aktuellen Richtwerten auch das Jugendamt ansprechen kannst. Und wenn du unsicher bist, wie du Taschengeld mit einem langfristigen Sparplan für dein Kind kombinierst, meld dich gern bei mir, dann schauen wir uns das in Ruhe gemeinsam an.
Was ist Budgetgeld und wann lohnt es sich?
Budgetgeld ist ein zusätzlicher, zweckgebundener Betrag neben dem freien Taschengeld. Während dein Kind das Taschengeld frei für kleine Wünsche ausgibt, ist Budgetgeld für klar festgelegte Kategorien gedacht. Das DJI berücksichtigt dieses Konzept ausdrücklich in seinen Empfehlungen für Jugendliche.
Gedacht ist Budgetgeld für Bereiche wie Kleidung, Essen außer Haus und Handykosten, und es lohnt sich meist ab etwa 14 Jahren. Dann hat dein Kind schon mehrere Jahre Taschengelderfahrung und versteht, wie Budgetgrenzen funktionieren. Für Essen außerhalb des Elternhauses nennt das DJI zum Beispiel eine Größenordnung von 25 bis 40 Euro monatlich. Wie sich ein passender Rahmen in diesem Alter zusammensetzt, siehst du daran, wie viel Taschengeld mit 14 Jahren gut ist.
Klare Vereinbarung und passende Verwaltung
Der entscheidende Schritt beim Budgetgeld ist eine klare Absprache darüber, welche Kategorien dein Kind künftig selbst verwaltet und welche weiterhin bei dir bleiben. So kann etwa festgelegt werden, dass dein Kind einen festen Betrag für Freizeitkleidung und Schulessen bekommt, während du weiterhin Basiskleidung und Schulbücher übernimmst. Das schafft Transparenz und zeigt deinem Kind, wie schnell sich ein Budget durch häufiges Ausgehen oder Markenmode verbraucht.
Bei der Verwaltung hast du je nach Alter mehrere Möglichkeiten:
- Bargeld, das du direkt aushändigst oder bestimmte Kosten selbst übernimmst
- ein Konto, auf das du das Budgetgeld überweist
- eine Karte für ältere Jugendliche, die den bargeldlosen Umgang üben sollen
Denk daran, dass Minderjährige für Bankgeschäfte grundsätzlich deine Zustimmung brauchen. Ein Girokonto solltest du daher ohne Überziehungsmöglichkeit einrichten, damit dein Kind immer nur im Rahmen des vorhandenen Guthabens agiert. Wenn du dabei unsicher bist, hilft ein Blick darauf, wer ein Konto für ein Kind eröffnen darf. So bleibt der Lerneffekt erhalten, ohne dass Schulden entstehen können.
Soll man Kindern Geld für gute Noten geben?
Besser nicht. Taschengeld sollte unabhängig von Noten und Hausarbeit bleiben, denn genau das ist sein pädagogischer Sinn. Es ist ein Lernfeld für den Umgang mit Geld und kein Werkzeug zur Verhaltenssteuerung. Sobald du es an Leistung koppelst, verschiebt sich der Fokus weg vom Budgetlernen.
Das Risiko dabei ist real: Wenn dein Kind lernt, dass gute Noten vor allem deshalb erstrebenswert sind, weil sie Geld bringen, kann das die Freude am Lernen selbst verdrängen. Bildung wird dann auf einen Geldwert reduziert. Kinder, die sich in der Schule ohnehin schwerer tun, würden doppelt benachteiligt, weil sie weniger Belohnungsgeld und damit weniger Finanzbildung bekämen, obwohl sie eher mehr Unterstützung brauchen.
Unterschied zwischen Taschengeld und echtem Lohn
Etwas anderes ist echter Lohn für Extra-Aufgaben. Grundlegende Mithilfe im Haushalt wie Tisch decken oder das eigene Zimmer aufräumen gehört zur Familienverantwortung und wird nicht bezahlt. Aufgaben, die über die übliche Mitarbeit hinausgehen, etwa regelmäßiges Rasenmähen oder das Entrümpeln des Kellers, kannst du gegen einen vorher vereinbarten Betrag honorieren.
Trenne beides sprachlich und praktisch. Taschengeld läuft regelmäßig und leistungsunabhängig. Zusätzliche Zahlungen bezeichnest du klar als Lohn und knüpfst sie an eine konkrete Leistung. So versteht dein Kind gleich zwei Dinge: dass Taschengeld ein verlässliches Lehrgeld ist und dass sich Geld auch durch Arbeit verdienen lässt.
Für gute Noten passt Anerkennung besser als Bezahlung. Zeig echtes Interesse am Lernfortschritt deines Kindes, freu dich mit ihm über Erfolge, und würdige die Leistung auf nicht-monetäre Weise. Damit bleibt die Motivation dort, wo sie hingehört, beim Lernen selbst, und das Taschengeld behält seinen klaren, ruhigen Charakter.
Häufige Fragen
Lasse ist Gründer von SmartKidsInvest und seit über 10 Jahren Finanzberater mit Fokus auf Familien. Sein Ziel: Finanzthemen so erklären, dass sie jede Familie versteht – ohne Fachchinesisch und ohne Verkaufsdruck.






