Ein eigenes Depot für dein Kind klingt erstmal nach einem großen Schritt, und die erste Frage, die den meisten Eltern durch den Kopf geht, ist ganz simpel: Warum überhaupt ein extra Depot, wenn ich doch schon mein eigenes habe? Beide Wege führen zum selben Ziel, nämlich Vermögen für dein Kind aufzubauen, funktionieren aber ganz unterschiedlich. Je nachdem, was dir wichtig ist, passt mal das eine, mal das andere besser zu deiner Familie.
Was ist der Unterschied zwischen einem Kinderdepot und einem normalen Depot?
Der Kernunterschied ist eine Frage des Eigentums: Beim Kinderdepot gehört das Vermögen rechtlich deinem Kind, beim normalen Depot gehört es dir. Das klingt nach einer kleinen Formalie, hat aber große Auswirkungen.
Eigentümer ist das Kind, nicht die Eltern
Bei einem Kinderdepot, oft auch Junior-Depot genannt, läuft das Konto auf den Namen deines Kindes. Alles, was du einzahlst, gehört von diesem Moment an zivilrechtlich deinem Kind. comdirect bringt es beim JuniorDepot treffend auf den Punkt: „Das Geld gehört Ihrem Kind, die Verwaltung übernehmen Sie.“ Die Einzahlung wirkt dabei rechtlich wie eine Schenkung an dein Kind.
Beim normalen Elterndepot ist das anders. Du bleibst Eigentümer des Vermögens, auch wenn du es innerlich längst für dein Kind reserviert hast. Rechtlich gesehen ist es dein Geld, und das bleibt es, bis du es aktiv übergibst.
Eltern verwalten das Vermögen, dürfen es aber nicht für sich nutzen
Solange dein Kind minderjährig ist, kümmerst du dich um das Kinderdepot. Das nennt sich Vermögenssorge und ist Teil der elterlichen Sorge nach § 1626 BGB. Du bist gesetzlicher Vertreter deines Kindes nach § 1629 BGB, triffst die Anlageentscheidungen, kaufst die ETFs, richtest den Sparplan ein und behältst alles im Blick.
Dabei gilt eine klare Grenze: Du verwaltest dieses Geld für dein Kind, nicht für dich. Es steht dir nicht zur Verfügung, um damit eigene Wünsche zu erfüllen. Das ist gesetzlich geregelt und schützt genau die Person, für die du sparst.
Mit 18 geht die Verfügungsgewalt automatisch über
Sobald dein Kind 18 wird, überträgt sich die Verantwortung für das Depot automatisch auf es. Ab diesem Tag darf es allein über das gesamte Vermögen verfügen, ganz ohne deine Zustimmung. Das ist der Moment, in dem aus deinem sorgsam aufgebauten Sparplan das Startkapital deines erwachsenen Kindes wird.
Welche Vor- und Nachteile hat ein Kinderdepot?
Ein Kinderdepot bringt vor allem steuerliche Vorteile mit, weil dein Kind eigene Freibeträge hat. Gleichzeitig gibt es zwei Punkte, die du kennen solltest, damit es später keine Überraschungen gibt. Beides gehört zusammen, deshalb schauen wir es uns ehrlich und in Ruhe an.
Steuerliche Freibeträge: Was bleibt fürs Kind steuerfrei?
Dein Kind ist steuerlich eine eigene Person und hat damit auch eigene Freibeträge. Kapitalerträge, die im Kinderdepot entstehen, laufen über die Steuerfreibeträge deines Kindes und nicht über deine. Praktisch heißt das, dass ein Teil der Gewinne steuerfrei bleiben kann, während beim eigenen Depot dein Sparerpauschbetrag oft schon durch andere Anlagen ausgeschöpft ist. Wenn du Geld auf Kinder anlegst und dabei Steuern clever nutzen möchtest, ist das Kinderdepot oft der interessanteste Ansatz.
Damit dieser Vorteil auch greift, brauchst du in der Regel eine sogenannte NV-Bescheinigung (Nichtveranlagungs-Bescheinigung), die bestätigt, dass dein Kind keine Einkommensteuer zahlen muss, um die Erträge freizustellen. Wie das genau läuft, schauen wir uns weiter unten bei der Depoteröffnung an.
BAföG und Schenkungsteuer: Worauf du achten musst
Weil das Vermögen im Kinderdepot deinem Kind gehört, zählt es beim BAföG mit. Möchte dein Kind später studieren und BAföG beantragen, wird das angesparte Kapital als eigenes Vermögen berücksichtigt und kann den Anspruch schmälern. Das ist kein Grund zur Sorge, aber ein Punkt, den du früh mitdenken solltest.
Beim Kindergeld gibt es dagegen Entwarnung: Die Kapitalerträge deines Kindes haben keinen Einfluss auf den Kindergeldanspruch, denn dafür ist das Einkommen des Kindes nicht relevant. Wenn du oder die Großeltern größere Summen einzahlt, spielt außerdem der Schenkungsteuer-Freibetrag eine Rolle, wobei für Eltern-an-Kind und Großeltern-an-Enkel unterschiedliche Freibeträge gelten.
Mit 18 entscheidet das Kind allein
Ab dem 18. Geburtstag gehört das Depot allein deinem Kind, und es entscheidet selbst, was damit passiert. Ob das Geld ins Studium, in die erste Wohnung oder in etwas ganz anderes fließt, liegt nicht mehr in deiner Hand. Für viele Familien ist das völlig in Ordnung, weil das Geld ja genau dafür gedacht war. Wenn du dir aber unsicher bist, ob dein Kind mit einem größeren Betrag verantwortungsvoll umgeht, ist das ein Argument, das du vorher gut abwägen solltest.
Wann lohnt sich stattdessen das eigene Depot der Eltern?
Das eigene Depot lohnt sich immer dann, wenn dir Kontrolle und Flexibilität wichtiger sind als der Steuervorteil. Du sparst dann zwar auf deinen eigenen Namen, behältst dafür aber jederzeit die Zügel in der Hand. Für viele Eltern ist genau das ein sehr beruhigendes Gefühl.
Volle Kontrolle behalten, solange du sparst
Beim Elterndepot bleibt das Geld deins, und damit bestimmst du bis zum letzten Cent, wann und wie es an dein Kind geht. Du entscheidest, ob dein Kind mit 18 einen Teil bekommt, mit 25 den Rest, oder ob du das Ganze erst dann übergibst, wenn du das Gefühl hast, der richtige Zeitpunkt ist da.
Kein BAföG-Risiko durch Kindervermögen
Weil das Vermögen auf deinem Namen liegt, gehört es nicht zum Vermögen deines Kindes und wird beim BAföG nicht als Kindesvermögen angerechnet. Wenn dein Kind später studieren und BAföG beantragen möchte, kann das Elterndepot der ruhigere Weg sein.
Flexibler Zugriff zu jedem Zeitpunkt
Kommt es im Leben mal anders als geplant, kannst du beim eigenen Depot jederzeit auf das Geld zugreifen, ganz ohne Einschränkung. Diese Freiheit hat allerdings ihren Preis: Anders als beim Kinderdepot nutzt du hier deine eigenen Steuerfreibeträge, die oft schon durch andere Anlagen belegt sind. Du tauschst also einen möglichen Steuervorteil gegen mehr Kontrolle und Flexibilität ein, und ob sich das lohnt, hängt ganz von deiner Situation ab.
Ist ein Kinderdepot oder ein eigenes Depot besser?
Ein pauschales Besser gibt es hier nicht, nur ein Besser für deine Familie. Die ganze Entscheidung dreht sich um eine einzige Abwägung: Steuervorteil auf der einen Seite, Kontrolle auf der anderen. Wenn du dir diese beiden Pole klar machst, fällt die Wahl deutlich leichter.
Steuervorteil gegen Kontrollverlust abwägen
Damit du beide Wege direkt nebeneinander siehst, hilft ein kurzer Vergleich der wichtigsten Punkte. So erkennst du auf einen Blick, welcher Weg eher zu deinen Prioritäten passt.
| Kinderdepot | Elterndepot | |
|---|---|---|
| Eigentümer | Kind | Eltern |
| Steuerfreibeträge | eigene des Kindes | eigene der Eltern |
| Kontrolle ab 18 | Kind entscheidet allein | Eltern behalten Kontrolle |
| BAföG-Anrechnung | zählt als Kindesvermögen | kein Kindesvermögen |
| Flexibler Zugriff | nur für Zwecke des Kindes | jederzeit frei |
Es gibt keine Lösung, die alles kann. Jeder Weg hat seine Stärke, und du wählst nach dem, was dir am meisten am Herzen liegt.
Für wen lohnt sich das Kinderdepot?
Wenn du früh anfängst, einen langen Anlagehorizont vor dir hast und ein klares Ziel für dein Kind verfolgst, spielt das Kinderdepot seine Stärke aus. Über viele Jahre summieren sich die steuerlich begünstigten Erträge spürbar, gerade bei einem ETF-Sparplan mit langfristigem Anlagehorizont. Wer sich fragt, ob es sinnvoll ist, Kindergeld in ETFs anzulegen, findet im Kinderdepot eine passende Struktur dafür. Wenn du dagegen das Gefühl hast, die Kontrolle bis über den 18. Geburtstag hinaus behalten zu wollen, oder BAföG später ein Thema sein könnte, ist das Elterndepot oft die entspanntere Wahl.
Elterndepot als sinnvolle Ergänzung
Du musst dich übrigens nicht zwingend für nur einen Weg entscheiden. Viele Familien kombinieren beides und nutzen das Kinderdepot für den langfristigen Vermögensaufbau, während sie parallel im eigenen Depot einen flexiblen Puffer aufbauen, über den sie jederzeit selbst bestimmen.
Falls du dir unsicher bist, welche Mischung für deine Familie am meisten Sinn ergibt, lass uns das gerne zusammen anschauen. In einer kostenlosen und unverbindlichen Beratung sortieren wir deine Ziele, und du gehst danach mit einem klaren Plan raus, ganz ohne Druck.
Welches Kinderdepot ist am besten geeignet?
Ein einziges bestes Kinderdepot gibt es nicht, aber es gibt einige solide Anbieter, die du kennen solltest. Zu den bekanntesten gehören Trade Republic, DKB, ING, comdirect und die Consorsbank, die alle ein eigenes Junior-Depot im Programm haben.
Trade Republic: Voraussetzungen und Besonderheiten
Bei Trade Republic gibt es ein paar klare Voraussetzungen für das Kinderdepot. Ein Kinderdepot kann nur durch die Eltern oder einen gesetzlichen Vormund eröffnet werden, und es gibt eine Altersgrenze für die Eröffnung bis 17,5 Jahre. Diese Punkte solltest du vor der Eröffnung auf dem Schirm haben:
- Beide Elternteile müssen ein eigenes Konto bei Trade Republic haben
- Die Geburtsurkunde des Kindes wird benötigt
- Der zweite Elternteil muss zustimmen, außer bei alleinigem Sorgerecht
- Für die Steuerfreistellung beantragst du eine NV-Bescheinigung beim Finanzamt und sendest sie an den Support
Diese Anforderungen sind kein Hexenwerk, du solltest sie nur vorher einplanen, damit die Eröffnung reibungslos läuft.
DKB, ING, comdirect und Consorsbank im Überblick
Auch die anderen Anbieter haben passende Angebote. Die DKB bietet ein Juniordepot an, das du online eröffnen kannst, wobei die Mitwirkung beider Erziehungsberechtigten nötig ist, die sich jeweils im eigenen Banking anmelden und den Antrag bestätigen. Die ING führt ihr Angebot als Direkt-Depot Junior, das speziell auf die Geldanlage fürs Kind ausgelegt ist.
comdirect bietet das JuniorDepot an und verlangt in der Regel die Geburtsurkunde des Kindes als Kopie, bei Sonderfällen wie unverheirateten Eltern oder alleinigem Sorgerecht kommen weitere Unterlagen dazu. Die Consorsbank hat ebenfalls ein Junior-Depot im Programm und richtet es ausdrücklich an Kinder und Enkel. Wer sich für mögliche Nachteile eines bestimmten Anbieters interessiert, sollte sich etwa die Nachteile des Kinderdepots bei Scalable genauer ansehen.
Worauf du bei der Wahl achten solltest
Bei der Auswahl zählt vor allem, dass das Depot zu deiner Situation passt. Schau dir an, wie einfach die Eröffnung ist, ob beide Elternteile mitwirken müssen und ob du dort bequem einen ETF-Sparplan einrichten kannst, denn genau der ist meist das Herzstück beim langfristigen Vermögensaufbau fürs Kind. Welcher Anbieter für dich der richtige ist, hängt weniger vom Namen ab als davon, wie gut das Angebot in deinen Alltag passt.
Wie eröffnest du ein Kinderdepot?
Ein Kinderdepot zu eröffnen ist unkomplizierter, als viele denken, und läuft bei den meisten Anbietern online ab. Du brauchst nur ein paar Unterlagen und in der Regel die Zustimmung beider Sorgeberechtigter, dann steht dem Start nichts im Weg.
Unterlagen, die du brauchst
Das wichtigste Dokument ist fast immer die Geburtsurkunde deines Kindes, meist als Kopie. In Sonderfällen kommen weitere Nachweise dazu, etwa wenn dein Kind einen abweichenden Familiennamen trägt, die Eltern nicht verheiratet sind oder ein alleiniges Sorgerecht besteht. Es lohnt sich, das vor der Eröffnung kurz zu prüfen, damit du nicht mitten im Prozess ins Stocken gerätst.
Zustimmung beider Sorgeberechtigter
Weil du das Depot für dein Kind verwaltest, ist bei den meisten Anbietern die Mitwirkung beider Sorgeberechtigter erforderlich. Bei der DKB melden sich zum Beispiel alle Erziehungsberechtigten jeweils im eigenen Banking an und bestätigen den Antrag, bei Trade Republic muss der zweite Elternteil zustimmen. Hast du das alleinige Sorgerecht, entfällt die Zustimmung des zweiten Elternteils, und du brauchst in der Regel einen entsprechenden Nachweis.
NV-Bescheinigung beantragen und einreichen
Damit die Erträge im Kinderdepot steuerfrei bleiben, brauchst du meist eine NV-Bescheinigung. Die beantragst du beim zuständigen Finanzamt für dein Kind und reichst sie anschließend bei deinem Anbieter ein. Bei Trade Republic schickst du sie zum Beispiel direkt an den Support.
Damit du bei der Eröffnung nichts vergisst, schauen wir uns die typischen Schritte in der richtigen Reihenfolge an:
- Geburtsurkunde des Kindes und eventuell weitere Nachweise bereitlegen
- Depot online beim gewählten Anbieter beantragen
- Zustimmung des zweiten Sorgeberechtigten einholen, falls nötig
- NV-Bescheinigung beim Finanzamt beantragen und beim Anbieter einreichen
- ETF-Sparplan einrichten und loslegen
Wenn du an einer dieser Stellen ins Grübeln kommst, ist das völlig normal, und du musst das nicht allein durchdenken. Melde dich einfach für eine kostenlose, unverbindliche Beratung bei mir, dann gehen wir die Schritte zusammen durch. Viele Eltern starten danach mit einem richtig guten Gefühl in dieses neue Kapitel für ihr Kind.
Häufige Fragen
Lasse ist Gründer von SmartKidsInvest und seit über 10 Jahren Finanzberater mit Fokus auf Familien. Sein Ziel: Finanzthemen so erklären, dass sie jede Familie versteht – ohne Fachchinesisch und ohne Verkaufsdruck.






