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Welche Nachteile hat das Trade Republic Kinderdepot?

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Lasse Falke
zuletzt aktualisiert: 15. Juni 2026
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Welche Nachteile hat das Trade Republic Kinderdepot?

Das Trade Republic Kinderdepot hat mehrere relevante Nachteile. Der wichtigste: Beide Elternteile müssen Trade Republic Kunden sein. Dazu kommen fehlendes Girokonto, kein Telefonservice, teure Ordergebühren bei Kleinbeträgen und eine TER-Erstattung für nur drei ETFs.

Trade Republic wirbt offensiv mit kostenloser Depotführung und dem sogenannten Kindergeld. Was dabei oft unerwähnt bleibt, sind strukturelle Einschränkungen, die für viele Familien zum Ausschlusskriterium werden. In den ersten Monaten wurden zwar sehr viele Depots eröffnet, doch längst nicht alle Eltern sind mit dem Produkt zufrieden.

Klartext vorweg: Trade Republic passt gut zu technikaffinen Selbstentscheidern, die bereits Kunden sind. Für alle anderen gibt es bessere Alternativen. Welche Nachteile im Detail zählen, schauen wir uns jetzt der Reihe nach an.

Warum müssen beide Elternteile Kunden sein?

Trade Republic verlangt, dass beide Sorgeberechtigten ein eigenes Trade Republic Konto besitzen. Das ist der größte strukturelle Nachteil des Produkts. Besonders betroffen sind folgende Gruppen:

  • Getrennte Paare mit gemeinsamem Sorgerecht: Beide müssen ein Konto eröffnen, inklusive Videoidentifizierung.
  • Eltern, die einen anderen Depotanbieter bevorzugen: Sie müssen für das Kinderdepot trotzdem zu Trade Republic wechseln.
  • Alleinerziehende mit alleinigem Sorgerecht: Sie kommen durch, doch standardmäßig fordert die Regel beide Elternteile.

Bei comdirect, ING, flatex, Consorsbank und 1822direkt brauchst Du kein Eltern-Konto beim gleichen Anbieter. Du kannst das Junior-Depot eröffnen, ohne dort selbst Kunde zu werden.

Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Elternteil nutzt seit Jahren die ING, der andere comdirect. Für das Trade Republic Kinderdepot müssten beide zusätzlich ein TR-Konto eröffnen, nur um das Kinderdepot zu verwalten – unnötige Komplexität.

Bekommst Du ein Girokonto mit dem Depot?

Nein. Das Trade Republic Kinderdepot ist ein reines Wertpapierdepot ohne Girokonto-Funktionen. Es gibt keine Debitkarte, keine IBAN für Überweisungen und keinen Zahlungsverkehr für den Alltag.

Das Depot dient ausschließlich dem langfristigen Vermögensaufbau mit Wertpapieren. Wer seinem Kind ein Konto für Taschengeld, tägliche Ausgaben oder eine eigene Karte einrichten möchte, braucht zusätzlich ein echtes Kinderkonto, etwa bei ING, comdirect oder DKB.

Diese Verwechslung passiert häufig: Eltern erwarten ein vollständiges Finanzprodukt für Kinder. Tatsächlich ist das Depot nur ein Baustein für die Geldanlage, kein Ersatz für ein Girokonto.

Wie teuer wird die Ein-Euro-Ordergebühr wirklich?

Trade Republic verlangt für jeden Einmalkauf eine pauschale Gebühr von einem Euro. Das klingt harmlos, ist bei kleinen Beträgen aber überproportional teuer:

  • 10 Euro Einmalkauf: 1 Euro Gebühr entspricht 10 Prozent Kosten.
  • 20 Euro Einmalkauf: 1 Euro Gebühr entspricht 5 Prozent Kosten.
  • 50 Euro Einmalkauf: 1 Euro Gebühr entspricht 2 Prozent Kosten.
  • 100 Euro Einmalkauf: 1 Euro Gebühr entspricht 1 Prozent Kosten.

Erst ab etwa 100 Euro pro Einmalkauf wird Trade Republic wirklich wettbewerbsfähig. Für Sparplan-Ausführungen fällt diese Gebühr nicht an – wer also ausschließlich Sparpläne nutzt, ist nicht betroffen.

Ein typisches Problem aus der Praxis: Großeltern, die spontan 50 Euro als Geschenk ins Depot einzahlen und einen ETF kaufen wollen, zahlen effektiv 2 Prozent Gebühr. Das schmälert die Rendite des ersten Jahres spürbar.

Gilt das Kindergeld für alle ETFs?

Nein. Das beworbene Trade Republic Kindergeld, also die TER-Erstattung, gilt nur für drei Vanguard-ETFs. Wer andere Produkte bevorzugt, erhält diese Kostenerstattung nicht. Förderfähig sind ausschließlich:

  • Vanguard FTSE All-World
  • Vanguard ESG Global All Cap
  • Vanguard LifeStrategy 80

Wer einen iShares Core MSCI World, einen Xtrackers-ETF oder spezialisierte Sektor-ETFs bevorzugt, geht bei der TER-Erstattung leer aus. Die Vanguard-Produkte sind hervorragend, doch die fehlende Wahlfreiheit stört Eltern, die bereits andere ETFs favorisieren. Zum Vergleich: Scalable Capital bietet dieselbe Leistung für rund 200 ETFs und damit deutlich mehr Flexibilität.

Kannst Du jemanden am Telefon erreichen?

Nein. Trade Republic hat keinen klassischen Telefonsupport. Der Kundenkontakt läuft ausschließlich per E-Mail und In-App-Chat. In der Testkategorie Service erreicht Trade Republic nur rund 50 Prozent.

Nutzerbewertungen nennen vor allem diese Schwachstellen:

  • Lange Wartezeiten bei Rückmeldungen zu komplexen Fragen.
  • Standardisierte, FAQ-lastige Antworten bei individuellen Anliegen.
  • Schwierigkeiten bei dringenden Problemen wie gesperrten Karten oder Identitätsfragen.

Für Familien, die bei einer wichtigen Frage zum Kindervermögen schnell Hilfe brauchen, ist das ein echter Nachteil. Bei comdirect und ING erreichst Du einen Kundenberater meist innerhalb weniger Minuten am Telefon. Trade Republic setzt konsequent auf Automatisierung und Self-Service: Das funktioniert bei Standardfällen gut, bei Sonderfällen stehst Du eher allein da.

Bis wann kannst Du das Depot eröffnen?

Das Kinderdepot lässt sich nur für Kinder bis zum vollendeten 17,5. Lebensjahr eröffnen. Wer spät startet, etwa weil das Thema erst mit 16 oder 17 aufkommt, hat ein enges Zeitfenster.

Ein Beispiel: Dein Kind wird im Juli 2026 17 Jahre alt. Möchtest Du im Februar 2027 das Depot eröffnen, ist das Kind bereits über 17,5 Jahre alt und Trade Republic lehnt die Eröffnung ab.

Bei anderen Anbietern wie comdirect oder ING kannst Du das Junior-Depot bis kurz vor dem 18. Geburtstag eröffnen. Die 17,5-Jahre-Grenze ist eine Besonderheit von Trade Republic.

Kannst Du aktive Fonds kaufen?

Nein. Trade Republic bietet keine klassischen Investmentfonds an. Das Produktangebot beschränkt sich auf ETFs, Aktien, Anleihen und Kryptowährungen. Mischfonds, Garantiefonds oder Immobilienfonds gibt es nicht.

Für passive ETF-Anleger ist das kein Problem. Wer hingegen bewusst einen aktiv gemanagten Fonds mit Risikobegrenzung wünscht, ist bei Direktbanken wie comdirect, ING oder Consorsbank besser aufgehoben.

Steigt die Sparrate automatisch?

Nein. Trade Republic bietet keine automatische Sparraten-Dynamisierung. Wer die Sparrate erhöhen möchte, muss das manuell in der App erledigen.

Automatische Dynamisierung bedeutet: Die Sparrate steigt jährlich automatisch um einen festgelegten Prozentsatz, zum Beispiel fünf Prozent. So wächst die Sparleistung mit steigendem Einkommen mit und gleicht die Inflation aus.

Bei Trade Republic musst Du die Rate jedes Jahr aktiv anpassen. Das vergessen viele Eltern – und die Inflation verringert die reale Sparleistung Jahr für Jahr.

Wie transparent ist der Bonus wirklich?

Der beworbene 100-Euro-Bonus für Neueröffnungen setzt eine eigene Einzahlung von 100 Euro sowie mehrere Trades voraus. Dieser Hinweis fehlt in der Außenwerbung meist an prominenter Stelle.

Viele Eltern gehen davon aus, die 100 Euro für die bloße Depoteröffnung zu erhalten. Tatsächlich müssen sie erst selbst 100 Euro einzahlen und mehrere Transaktionen ausführen, bevor der Bonus gutgeschrieben wird.

Das ist nicht unzulässig, aber intransparent und in Nutzerbewertungen ein häufiger Kritikpunkt. Andere Banken kommunizieren ihre Bonus-Bedingungen deutlicher.

Gehören Kryptowährungen ins Kinderdepot?

Über das Kinderdepot lässt sich auch der Kauf von über 50 Kryptowerten abwickeln. Für den langfristigen, risikoarmen Vermögensaufbau eines Kindes sind Kryptowährungen aus Beratersicht jedoch nicht geeignet.

Bitcoin schwankt jährlich um 30 bis 50 Prozent, Ethereum und andere Altcoins meist noch stärker. Diese Volatilität widerspricht dem Grundprinzip des stetigen, breit gestreuten Kindersparens.

Wer für ein zehnjähriges Kind ein Depot mit hohem Bitcoin-Anteil aufbaut, geht ein unangemessenes Risiko ein. Das Geld gehört dem Kind, und Du trägst die Verantwortung für eine vernünftige Anlage. Dass Trade Republic Krypto-Käufe technisch erlaubt, macht sie fürs Kinderdepot nicht sinnvoll: Konzentriere Dich auf breit gestreute ETFs statt auf spekulative Assets.

Wie vergleicht sich Trade Republic mit Alternativen?

Im direkten Vergleich landet Trade Republic nur auf Platz 5 im unabhängigen Kinderdepot-Vergleich. Scalable Capital, comdirect und ING schneiden besser ab. Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick:

AnbieterStärken gegenüber Trade Republic
Scalable CapitalTER-Erstattung für rund 200 ETFs, Guthabenzins bis 2,5 Prozent, Robo-Advisor. Aber: Beide Elternteile müssen Kunden sein.
comdirectKein Eltern-Konto beim gleichen Anbieter nötig, aktive Fonds, Telefonservice. Höhere Ordergebühren, dafür besserer Service.
INGJunior-Depot plus Kinderkonto mit Debitkarte, also eine vollständige Lösung aus einer Hand.

Welcher Anbieter passt, hängt von Deiner Situation ab: Willst Du maximale ETF-Auswahl, benötigst Du Telefonberatung, oder sollen Depot und Alltagskonto beim selben Anbieter liegen?

Für wen lohnt sich Trade Republic trotzdem?

Trade Republic passt gut zu Eltern, die bereits beide dort Kunden sind, zu ETF-Sparern mit klarem Fokus auf breit gestreute Indexfonds und zu Familien, die selbstständig ohne Beratungsbedarf anlegen.

Wenn Du einen der drei förderfähigen Vanguard-ETFs nutzt und ausschließlich Sparpläne besparst, ist Trade Republic eine sehr gute Wahl: Die App ist benutzerfreundlich, die Kosten sind minimal und die TER-Erstattung ist ein echter Mehrwert.

Weniger geeignet ist das Depot in diesen Fällen:

  • Eltern, die kein TR-Konto besitzen und auch keines möchten.
  • Familien mit Bedarf an persönlicher Telefonberatung.
  • Eltern, die in aktiv gemanagte Fonds investieren wollen.

Konkrete Empfehlung: Nutzen beide Elternteile ohnehin Trade Republic, ist das Kinderdepot mit den Vanguard-Sparplänen eine runde Lösung. Falls nicht, prüfe Scalable Capital oder comdirect. Für den Alltag Deines Kindes brauchst Du zusätzlich ein echtes Kinderkonto, etwa bei ING, comdirect oder DKB.

Häufige Fragen zum Trade Republic Kinderdepot

Kostet das Trade Republic Kinderdepot Depotgebühren?

Nein, die Depotführung ist kostenlos. Kosten entstehen vor allem durch die pauschale Ordergebühr von 1 Euro pro Einmalkauf, während Sparplan-Ausführungen gebührenfrei sind.

Muss ich als Alleinerziehende beide Elternteile angeben?

Bei alleinigem Sorgerecht reicht ein Konto. Bei gemeinsamem Sorgerecht müssen jedoch beide Elternteile ein eigenes Trade Republic Konto besitzen, um das Kinderdepot eröffnen zu können.

Lohnt sich die TER-Erstattung überhaupt?

Ja, wenn Du einen der drei förderfähigen Vanguard-ETFs besparst. Bevorzugst Du andere ETFs, entfällt der Vorteil, und Anbieter wie Scalable Capital mit rund 200 förderfähigen ETFs sind flexibler.

Kann ich das Depot später zu einem anderen Anbieter übertragen?

Grundsätzlich ja. Ein Depotübertrag ist möglich, kann aber Zeit kosten und je nach Anbieter mit Aufwand verbunden sein. Prüfe deshalb vor der Eröffnung, ob der Anbieter langfristig zu Dir passt.

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Lasse Falke
Experte für Kinderinvestments
Über den Autor

Lasse Falke begleitet junge Familien auf ihrem Weg zu entspannten Finanzen und einem sicheren Start für ihre Kinder in die Zukunft. Als Geschäftsführer der L&S Finance UG verbindet er fachliche Expertise mit klarer, verständlicher Sprache – ohne Fachchinesisch und ohne Druck. Über SmartKidsInvest zeigt er Eltern, wie sie früh und smart für ihre Kinder vorsorgen können, damit Geldthemen sich endlich leicht anfühlen.