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Ist ein Depot für Kinder steuerfrei?

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Lasse Falke
zuletzt aktualisiert: 3. Mai 2026
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Ist ein Depot für Kinder steuerfrei?

Ein Kinderdepot ist nicht automatisch steuerfrei, bietet aber so große steuerliche Vorteile, dass es in der Praxis fast immer steuerfrei bleibt. Bis zu 13.348 Euro Kapitalerträge pro Jahr zahlt dein Kind keinen einzigen Cent Steuern.

Das klingt nach viel Geld, ist aber weniger kompliziert als es aussieht. Dein Kind hat eigene Steuerfreibeträge, genau wie du. Der Unterschied: Dein Kind nutzt diese Freibeträge wahrscheinlich nie vollständig aus, weil es kein Gehalt verdient. Also können alle Kapitalerträge aus dem Depot diese Freibeträge auffüllen.

Der erste Freibetrag sind 1.000 Euro pro Jahr. Den bekommt dein Kind automatisch, wenn du einen Freistellungsauftrag bei der Bank einrichtest. Dauert fünf Minuten online. Der zweite Freibetrag sind zusätzlich 12.348 Euro pro Jahr. Den bekommst du mit einer Bescheinigung vom Finanzamt, die drei Jahre gültig ist.

Zusammen sind das über 13.000 Euro steuerfreie Erträge jedes Jahr. Über 18 Jahre könnten das theoretisch über 240.000 Euro sein, ohne einen Cent Steuern zu zahlen.

Wie funktionieren die beiden Freibeträge beim Kinderdepot?

Die Steuerfreiheit läuft über zwei Stufen. Die erste Stufe ist einfach, die zweite braucht einen zusätzlichen Schritt.

Stufe 1: Sparerpauschbetrag

Bis 1.000 Euro Kapitalerträge pro Jahr passiert gar nichts. Du richtest bei deiner Bank einen Freistellungsauftrag ein, gibst die 1.000 Euro ein, fertig. Die Bank behält keine Steuern ein, solange die Erträge unter 1.000 Euro bleiben.

Kapitalerträge sind alles, was das Depot abwirft: Dividenden, Zinsen, realisierte Kursgewinne. Wenn du einen ETF für 5.000 Euro kaufst und er steigt auf 5.500 Euro, hast du noch keine Kapitalerträge. Erst wenn du verkaufst, werden die 500 Euro Gewinn relevant.

Stufe 2: Grundfreibetrag

Ab 1.001 Euro Kapitalerträgen greift normalerweise die Abgeltungsteuer von 25 Prozent. Aber nicht bei Kindern, wenn du eine Nichtveranlagungsbescheinigung hast.

Diese Bescheinigung sagt dem Finanzamt: Das Kind verdient so wenig, dass es sowieso keine Steuern zahlen müsste. Also bitte keine Steuern einbehalten. Mit dieser Bescheinigung sind weitere 12.348 Euro pro Jahr steuerfrei.

Zusammen ergibt das 13.348 Euro pro Jahr. Für die allermeisten Kinderdepots reicht das locker aus.

Wie hoch darf ein Kinderdepot werden, bis Steuern fällig werden?

Das hängt von der Rendite ab. Bei sieben Prozent Rendite pro Jahr könnte dein Kind etwa 190.000 Euro im Depot haben, bevor die 13.348 Euro Freibetrag ausgeschöpft sind.

Ein Beispiel macht das klarer:

DepotwertRendite 5%Rendite 6%Rendite 7%Rendite 8%
50.000 €2.500 €3.000 €3.500 €4.000 €
100.000 €5.000 €6.000 €7.000 €8.000 €
150.000 €7.500 €9.000 €10.500 €12.000 €
200.000 €10.000 €12.000 €14.000 €16.000 €

Bei 100.000 Euro Depotwert und sechs Prozent Rendite entstehen 6.000 Euro Kapitalerträge pro Jahr. Das liegt unter dem Freibetrag von 13.348 Euro. Also keine Steuern.

Erst bei 200.000 Euro im Depot und acht Prozent Rendite würden 16.000 Euro Erträge anfallen. Dann müsste dein Kind für die 2.652 Euro über dem Freibetrag Steuern zahlen.

Die meisten Kinderdepots kommen nie in diese Größenordnung. Wer 18 Jahre lang 150 Euro monatlich spart, landet bei sechs Prozent Rendite bei etwa 55.000 Euro. Weit entfernt von jeder Steuergrenze.

Wie beantragt man die Nichtveranlagungsbescheinigung?

Das läuft direkt über das Finanzamt und dauert etwa 20 Minuten plus Wartezeit auf die Post.

Du brauchst das Formular „NV 1 A“. Das findest du auf der Website der Bundesfinanzverwaltung. Es lässt sich online ausfüllen und dann ausdrucken.

Beim Ausfüllen trägst du ein:

  • Die Steuer-ID deines Kindes
  • Das voraussichtliche Einkommen im ersten Jahr (zum Beispiel 2.000 Euro geschätzte Kapitalerträge)
  • Die Anzahl der Bescheinigungen, die du brauchst (normalerweise eine pro Bank)

Das Formular läuft auf den Namen deines Kindes, nicht auf deinen. Beide Eltern müssen unterschreiben, wenn beide sorgeberechtigt sind.

Dann schickst du das Formular per Post an das Finanzamt, das für den Wohnsitz deines Kindes zuständig ist. Nach ein paar Tagen bis wenigen Wochen kommt die Bescheinigung zurück.

Diese Bescheinigung reichst du bei deiner Bank ein. Ab dann behält die Bank keine Steuern mehr ein, solange die Erträge unter 13.348 Euro bleiben.

Die Bescheinigung ist drei Jahre gültig. Danach musst du sie neu beantragen, wenn die Voraussetzungen noch erfüllt sind.

Wann lohnt sich die Nichtveranlagungsbescheinigung?

Sobald dein Kind mehr als 1.000 Euro Kapitalerträge pro Jahr hat, lohnt sich die Bescheinigung. Ohne die Bescheinigung würde die Bank 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Soli einbehalten. Bei 2.000 Euro Erträgen wären das etwa 527 Euro Steuern.

Mit der Bescheinigung zahlst du null Euro. Die 20 Minuten Aufwand sparen dir also über 500 Euro pro Jahr. Über drei Jahre sind das 1.500 Euro gespart für einen einzigen Antrag.

Auch wenn die Erträge aktuell noch unter 1.000 Euro liegen, kann es sinnvoll sein, die Bescheinigung vorsorglich zu holen. Dann bist du vorbereitet, falls das Depot schneller wächst als gedacht oder die Börse ein sehr gutes Jahr hat.

Was passiert, wenn die Erträge die Grenze überschreiten?

Ab 13.348 Euro Kapitalerträgen pro Jahr muss dein Kind für den Überschuss Steuern zahlen. Aber selbst dann zahlst du weniger als die üblichen 25 Prozent Abgeltungsteuer.

Dein Kind zahlt nach seinem persönlichen Steuersatz. Der beginnt bei 14 Prozent und steigt langsam an. Bis zu einem Gesamteinkommen von etwa 17.443 Euro liegt der Steuersatz zwischen 14 und 24 Prozent. Also günstiger als die Abgeltungsteuer.

Hier wird es sinnvoll, eine freiwillige Steuererklärung für dein Kind abzugeben. Die Bank hat bereits 25 Prozent einbehalten, aber dein Kind müsste nur 14 bis 24 Prozent zahlen. Die Differenz bekommst du vom Finanzamt zurück.

Ein Beispiel: Dein Kind hat 15.000 Euro Kapitalerträge. Die ersten 13.348 Euro sind steuerfrei. Für die restlichen 1.652 Euro zahlt es etwa 14 Prozent, also 231 Euro. Die Bank hat aber schon 413 Euro einbehalten. Mit der Steuererklärung holst du 182 Euro zurück.

Welche Gefahr droht bei zu hohen Erträgen?

Das größere Problem ist nicht die Steuer, sondern die Familienversicherung. Wenn die monatlichen Einkünfte deines Kindes 603 Euro übersteigen, fällt es aus der kostenlosen Familienversicherung raus.

603 Euro pro Monat sind 7.236 Euro pro Jahr. Zieht man den Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro ab, bleiben 6.236 Euro sichere Grenze für die Familienversicherung.

Bei sieben Prozent Rendite entspricht das einem Depotwert von etwa 89.000 Euro. Liegt das Depot darüber, können die jährlichen Erträge die Grenze überschreiten.

Dann muss dein Kind selbst versichert werden. Das kostet etwa 200 Euro pro Monat oder mehr. Über ein Jahr sind das 2.400 Euro. Diese Kosten sind deutlich höher als jede Steuerersparnis durch das Depot.

Die Lösung: Halte die jährlichen Erträge unter 6.000 bis 7.000 Euro. Das schützt sowohl die Familienversicherung als auch die steuerlichen Vorteile. Bei sieben Prozent Rendite entspricht das einem maximalen Depotwert von etwa 85.000 bis 100.000 Euro.

Für die meisten Familien ist das mehr als genug. Wer 18 Jahre lang 100 Euro monatlich spart, landet bei sechs Prozent Rendite bei etwa 37.000 Euro. Selbst bei 200 Euro monatlich sind es nur 74.000 Euro. Beide Szenarien bleiben weit unter der kritischen Grenze.

Wie lassen sich Gewinne steuerfrei sichern?

Eine clevere Strategie ist das gestaffelte Realisieren von Gewinnen vor dem 18. Geburtstag. Das funktioniert so: Du verkaufst ETF-Anteile und kaufst sie sofort wieder zurück.

Warum das sinnvoll ist: Beim Verkauf werden Kursgewinne realisiert. Solange diese Gewinne unter 13.348 Euro pro Jahr bleiben, sind sie komplett steuerfrei. Durch den Rückkauf bleibt die Investition gleich, aber die Gewinne sind bereits versteuert (mit null Euro Steuern).

Ein Beispiel: Dein Kind hat einen ETF für 10.000 Euro gekauft. Der Wert steigt auf 16.000 Euro. Du verkaufst für 16.000 Euro, realisierst 6.000 Euro Gewinn (steuerfrei), und kaufst sofort wieder für 16.000 Euro zurück.

Jetzt liegt der Kaufpreis bei 16.000 Euro statt bei 10.000 Euro. Wenn der ETF später auf 20.000 Euro steigt, sind nur noch 4.000 Euro Gewinn zu versteuern statt 10.000 Euro.

Diese Strategie solltest du alle paar Jahre wiederholen, besonders in guten Börsenjahren. So nutzt du die Freibeträge jedes Jahr optimal aus und vermeidest, dass bei der finalen Auszahlung auf einmal riesige Gewinne auf einen Schlag versteuert werden müssen.

Aber bleib unter 6.000 Euro realisiertem Gewinn pro Jahr, um die Familienversicherung nicht zu gefährden.

Gibt es eine Obergrenze für das Vermögen eines Kindes?

Nein, ein Kind darf in Deutschland unbegrenzt viel Vermögen besitzen. Es gibt keine gesetzliche Obergrenze. Ein Kind könnte theoretisch eine Million Euro auf dem Depot haben, das ist rechtlich kein Problem.

Entscheidend sind nur die Auswirkungen, die das Vermögen mit sich bringt. Hohe Kapitalerträge gefährden die Familienversicherung. Hohes Vermögen kann später den BAföG-Anspruch schmälern oder komplett zunichtemachen.

Beim BAföG gelten strikte Vermögensgrenzen. Ein Student mit 50.000 Euro auf dem Depot bekommt kein BAföG mehr, egal wie wenig die Eltern verdienen. Das Vermögen muss erst aufgebraucht werden, bevor BAföG fließt.

Hier musst du abwägen: Willst du deinem Kind ein großes Startkapital mitgeben, verzichtest aber auf BAföG? Oder hältst du das Depot kleiner, damit BAföG möglich bleibt?

Eine Möglichkeit: Du überträgst größere Beträge erst kurz nach dem Studium auf dein Kind. Während des Studiums bleibt das Depot auf deinem Namen, damit BAföG nicht gefährdet ist. Nach dem Abschluss überträgst du das Vermögen.

Aber dann verlierst du die steuerlichen Vorteile des Kinderdepots während der Ansparphase. Es ist eine Abwägung zwischen Steuerersparnis jetzt und BAföG später.

Wann wird das Kinderdepot zur Steuerfalle?

Die echte Steuerfalle liegt nicht bei den Steuern selbst, sondern bei den Sozialleistungen. Die Familienversicherung und das BAföG sind deutlich wertvoller als die paar hundert Euro Steuerersparnis durch den Grundfreibetrag.

Verliert dein Kind die Familienversicherung, kostet das 2.400 Euro pro Jahr. Die Steuerersparnis durch den Grundfreibetrag liegt bei maximal 3.000 Euro pro Jahr (bei 12.348 Euro Freibetrag und 25 Prozent Steuersatz).

Ein Jahr ohne Familienversicherung frisst also fast die gesamte Steuerersparnis auf. Zwei Jahre ohne Familienversicherung und du zahlst drauf, trotz aller Steuervorteile.

Die sichere Strategie: Halte die jährlichen Kapitalerträge unter 6.000 Euro. Dann bist du auf der sicheren Seite, sowohl steuerlich als auch bei der Familienversicherung.

Das erreichst du durch:

  • Moderate Sparraten (50 bis 150 Euro monatlich)
  • Regelmäßiges Realisieren von Gewinnen über die Jahre verteilt
  • Bewusstsein über die Depotwert-Grenze von etwa 85.000 bis 100.000 Euro

Wenn du diese Grenzen im Kopf behältst, bleibt das Kinderdepot eine der besten steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten, die Eltern in Deutschland haben.

lasse
Lasse Falke
Experte für Kinderinvestments
Über den Autor

Lasse Falke begleitet junge Familien auf ihrem Weg zu entspannten Finanzen und einem sicheren Start für ihre Kinder in die Zukunft. Als Geschäftsführer der L&S Finance UG verbindet er fachliche Expertise mit klarer, verständlicher Sprache – ohne Fachchinesisch und ohne Druck. Über SmartKidsInvest zeigt er Eltern, wie sie früh und smart für ihre Kinder vorsorgen können, damit Geldthemen sich endlich leicht anfühlen.