Dein Kind ist drei Jahre alt und du überlegst, ob du ein Depot eröffnen sollst. Auf der einen Seite liest du überall, dass Aktien langfristig die beste Rendite bringen. Auf der anderen Seite fragst du dich, ob das wirklich notwendig ist.
Ja, ein Kinderdepot ist sinnvoll. Aber nur wenn du verstehst, was du damit erreichen willst und wie du es richtig umsetzt.
Dein Kind hat einen riesigen Vorteil gegenüber dir: Zeit. Wenn du heute 50 Euro monatlich für deine Dreijährige anlegst, werden daraus bis zum 18. Geburtstag bei sechs Prozent Rendite etwa 17.400 Euro. Legst du dieselben 50 Euro erst ab dem zehnten Geburtstag an, sind es nur noch 7.600 Euro. Die ersten sieben Jahre machen den Unterschied zwischen einem kleinen und einem ordentlichen Startkapital aus.
Was bringt ein Kinderdepot deinem Kind?
Ein Kinderdepot schafft finanzielle Optionen. Es geht nicht darum, dass dein Kind mit 18 reich ist. Es geht darum, dass es Wahlfreiheit hat.
Stell dir vor, dein Kind möchte mit 19 ein Auslandsjahr machen, braucht mit 22 eine Kaution für die erste Wohnung oder will mit 25 ein eigenes Unternehmen gründen. Ohne Kapital bleiben das Träume. Mit 20.000 oder 30.000 Euro auf dem Depot werden daraus echte Möglichkeiten.
Ein Beispiel macht das greifbar:
| Startpunkt | Monatliche Sparrate | Laufzeit | Endkapital bei 6% | Endkapital bei 8% |
|---|---|---|---|---|
| Geburt | 50 € | 18 Jahre | 18.600 € | 22.200 € |
| 3 Jahre | 50 € | 15 Jahre | 14.500 € | 16.900 € |
| 10 Jahre | 50 € | 8 Jahre | 6.100 € | 6.600 € |
| Geburt | 100 € | 18 Jahre | 37.100 € | 44.400 € |
| Geburt | 150 € | 18 Jahre | 55.700 € | 66.600 € |
Die Zahlen sprechen für sich. Je früher du startest und je mehr du sparst, desto größer wird der Hebel durch den Zinseszinseffekt.
Warum verlieren so viele Eltern beim Sparen?
Viele Eltern legen Geld für ihre Kinder auf Sparbücher oder Tagesgeldkonten. Das fühlt sich sicher an, ist aber eine Garantie dafür, dass dein Geld weniger wird.
Bei zwei Prozent Inflation und 0,5 Prozent Zinsen verlierst du jedes Jahr 1,5 Prozent Kaufkraft. Aus 10.000 Euro werden in 18 Jahren real nur noch 7.500 Euro. Du sparst, aber dein Kind kann sich am Ende weniger leisten als heute.
Hier kommt der provokante Teil: Wenn du deinem Kind heute ein volles Sparschwein schenkst und es 18 Jahre in den Schrank stellst, hast du mehr für seine Zukunft getan als mit einem Sparbuch. Zumindest verliert das Bargeld nicht zusätzlich an Wert durch mickrige Zinsen unter der Inflation.
Ein Depot mit breit gestreuten ETFs hat in den letzten 30 Jahren im Durchschnitt sechs bis sieben Prozent Rendite pro Jahr gebracht. Ja, es schwankt. Ja, es kann zwischendurch auch mal 20 Prozent runter gehen. Aber über 15 oder 18 Jahre gleicht sich das aus.
Welche Fehler kosten beim Kinderdepot am meisten Geld?
Das größte Risiko bei einem Kinderdepot ist nicht die Börse. Das größte Risiko bist du selbst.
Verkauf in der Krise
2020 bricht Corona aus, die Börsen stürzen ab. Panik macht sich breit. Viele Eltern haben in dieser Phase verkauft, weil sie Angst hatten, alles zu verlieren. Wer damals verkauft hat, hat echte Verluste gemacht. Wer einfach liegen gelassen hat, steht heute deutlich besser da als vor Corona.
Ein Kinderdepot fasst du nicht an. Egal was passiert. Du legst 15 oder 18 Jahre an und schaust in der Zwischenzeit höchstens mal rein, um zu sehen, wie es läuft. Aber du verkaufst nicht.
Falsche Produktwahl
Einzelaktien sind nichts für ein Kinderdepot. Auch wenn Tesla oder Apple gerade durch die Decke gehen. Breit gestreute ETFs auf den MSCI World oder FTSE All-World sind die bessere Wahl. Damit investierst du in 1.600 bis 4.000 Unternehmen weltweit. Wenn eines pleitegeht, merkst du das kaum.
Zu geringe Sparrate
30 Euro im Monat klingen erstmal nach viel Geld, wenn dein Kind noch klein ist. Aber über 18 Jahre sind das nur etwa 10.000 bis 11.000 Euro Endkapital bei sechs Prozent Rendite. Das reicht für einen Gebrauchtwagen, aber nicht für einen echten Startschuss ins Leben.
Wenn du es ernst meinst mit dem finanziellen Vorsprung für dein Kind, solltest du mindestens 100 Euro monatlich anpeilen. Besser 150 Euro.
Lohnt sich der Start mit kleinen Beträgen?
Lieber heute mit 25 Euro starten als in drei Jahren mit 100 Euro. Der Zinseszinseffekt arbeitet ab dem ersten Euro für dich.
Schau dir den Unterschied an:
Variante A: Du startest heute mit 25 Euro monatlich und erhöhst nach fünf Jahren auf 100 Euro.
Variante B: Du wartest fünf Jahre und startest dann direkt mit 100 Euro.
| Variante | Einzahlungen gesamt | Endkapital bei 6% |
|---|---|---|
| A (25€ → 100€) | 17.100 € | 21.200 € |
| B (5 Jahre warten) | 15.600 € | 18.900 € |
Obwohl du bei Variante A mehr einzahlst, ist der Unterschied beim Endkapital viel größer als die Differenz bei den Einzahlungen. Die ersten fünf Jahre bringen dir 2.300 Euro extra, obwohl du nur 1.500 Euro mehr eingezahlt hast.
Jeder Monat, den du wartest, kostet dich Geld. Nicht weil du später sparst, sondern weil der Zinseszinseffekt weniger Zeit hat zu arbeiten.
Wie viel Kontrolle haben Eltern über das Kinderdepot?
Ein Kinderdepot läuft auf den Namen deines Kindes. Das Geld gehört rechtlich deinem Kind, nicht dir. Du verwaltest es nur bis zur Volljährigkeit.
Das bedeutet: Mit 18 kann dein Kind über das gesamte Depot verfügen. Du kannst nicht sagen „Du bekommst das Geld erst mit 25“ oder „Nur für Ausbildung oder Studium“. Das Depot gehört deinem Kind, und es kann damit machen, was es will.
Vielen Eltern ist das zu riskant. Sie haben Angst, dass ihr Kind mit 18 das ganze Geld für einen Sportwagen oder eine Weltreise verprasst.
Hier kommt die unbequeme Wahrheit: Wenn dein Kind mit 18 nicht weiß, wie man mit Geld umgeht, hast du die letzten 18 Jahre etwas falsch gemacht. Nicht das Depot ist das Problem, sondern die fehlende Finanzbildung.
Deine Alternative: Du legst das Geld auf deinen Namen an und übergibst es später. Dann behältst du die Kontrolle, musst aber auch die Kapitalerträge versteuern. Bei einem Kinderdepot greift der Freibetrag deines Kindes von 1.000 Euro pro Jahr für Kapitalerträge.
Bis etwa 80.000 Euro Depotwert zahlst du mit dem Kinderfreibetrag keine Steuern auf die Erträge. Bei einem Depot auf deinen Namen zahlst du ab dem ersten Euro über 1.000 Euro Freibetrag 25 Prozent Kapitalertragsteuer plus Soli.
Droht bei Kinderdepots wirklich eine Steuerfalle?
Viele Artikel warnen vor der Steuerfalle bei Kinderdepots. Gemeint ist folgendes: Wenn das Depot deines Kindes zu große Erträge abwirft, kann das die Familienversicherung oder Kindergeld gefährden.
Die Zahlen dazu sehen so aus:
- Familienversicherung gefährdet ab etwa 6.600 Euro Kapitalerträgen pro Jahr
- Kindergeld gefährdet ab etwa 20.000 Euro Einkommen pro Jahr (inklusive Kapitalerträge)
Damit dein Kind 6.600 Euro Kapitalerträge pro Jahr hat, müsste das Depot einen Wert von etwa 110.000 Euro haben bei sechs Prozent Rendite. Wer seinem Kind ein Depot mit 110.000 Euro aufbaut, hat andere Probleme als die Familienversicherung.
Für 99 Prozent der Eltern ist diese Steuerfalle komplett irrelevant. Wenn du 50 bis 150 Euro monatlich sparst, kommst du nie auch nur in die Nähe dieser Grenze.
Wie lassen sich Geldgeschenke ins Kinderdepot umleiten?
Geburtstag, Weihnachten, Ostern, Kommunion, Einschulung. Dein Kind bekommt ständig Geld geschenkt. Die meisten dieser Geldgeschenke versickern auf irgendwelchen Konten oder werden für Spielzeug ausgegeben, das nach drei Wochen in der Ecke liegt.
Besser: Du bittest Oma, Opa, Tante und Onkel, das Geld direkt ins Depot zu überweisen. 50 Euro zum Geburtstag, 30 Euro zu Weihnachten. Über 18 Jahre kommen da locker 5.000 bis 10.000 Euro zusammen. Allein durch Geldgeschenke, die sonst verpuffen würden.
Viele Verwandte sind sogar froh, wenn sie wissen, dass das Geld wirklich ankommt und nicht für den zehnten Plüschhund drauf geht.
Du kannst das sogar automatisieren. Statt selbst Geld zu überweisen, gibst du Verwandten einfach die Depot-Nummer und sie überweisen direkt. Das spart dir Arbeit und macht es für alle einfacher.
Was passiert mit dem Kinderdepot bei Börsen-Crashs?
Die Frage ist nicht ob, sondern wann der nächste Crash kommt. In 18 Jahren Laufzeit erlebt dein Kinderdepot wahrscheinlich zwei bis drei richtige Börsencrashs. 2008, 2020, vielleicht 2025 oder 2028. Niemand weiß es.
Hier ist der Unterschied zwischen Eltern, die Geld verlieren, und Eltern, die Geld verdienen: Die einen verkaufen im Crash, die anderen kaufen nach.
Ein Beispiel aus 2020: Im März fällt der MSCI World um 35 Prozent. Aus 10.000 Euro werden 6.500 Euro. Panik. Viele verkaufen. Ein Jahr später steht der MSCI World 20 Prozent höher als vor dem Crash. Wer verkauft hat, hat 35 Prozent Verlust realisiert. Wer liegen gelassen hat, hat Gewinn gemacht.
Noch besser: Wer im März 2020 nachgekauft hat, hat die besten Einstiegskurse der letzten zehn Jahre erwischt. Aber das erfordert Nerven.
Für ein Kinderdepot gilt: Du machst gar nichts. Du schaust nicht mal hin. Du sparst weiter, jeden Monat denselben Betrag, egal ob die Börse gerade oben oder unten steht. Das nennt sich Cost-Average-Effekt. Wenn die Kurse fallen, kaufst du automatisch mehr Anteile für denselben Betrag. Wenn die Kurse steigen, kaufst du weniger Anteile. Über 18 Jahre gleicht sich das perfekt aus.
Was machst du in den letzten zwei Jahren vor Volljährigkeit?
Dein Kind ist 16. Das Depot steht bei 25.000 Euro. In zwei Jahren wird es volljährig und bekommt Zugriff. Jetzt kommt ein Crash und das Depot fällt auf 18.000 Euro.
Das ist das klassische Timingrisiko. Dagegen gibt es zwei Lösungen:
Lösung eins: Du beginnst mit 16 Jahren, das Depot schrittweise in sichere Anlagen umzuschichten. 50 Prozent bleiben in ETFs, 50 Prozent gehen auf ein Tagesgeldkonto. So sicherst du einen Teil der Gewinne und reduzierst das Risiko kurz vor Schluss.
Lösung zwei: Du lässt alles, wie es ist, und erklärst deinem Kind, dass es das Geld nicht anfassen soll, wenn die Börse gerade unten steht. Mit 16 oder 17 ist dein Kind alt genug, das zu verstehen.
Beide Wege funktionieren. Wichtig ist nur, dass du dir über dieses Timingrisiko bewusst bist und nicht blind ins Ziel läufst.
Wie viel sollte ins Depot und wie viel aufs Tagesgeld?
Nicht jeder gesparte Euro gehört ins Depot. Eine sinnvolle Aufteilung sieht so aus:
- 70 bis 80 Prozent ins Depot für langfristigen Vermögensaufbau
- 20 bis 30 Prozent aufs Tagesgeld für mittelfristige Wünsche
Das Depot ist für den 18. Geburtstag und danach. Das Tagesgeld ist für den Führerschein mit 17, den ersten Laptop mit 14 oder das Auslandsjahr mit 16.
Wenn du nur ins Depot sparst und dein Kind mit 15 unbedingt ein teures Fahrrad braucht, musst du entweder aus dem Depot verkaufen (ungünstig) oder aus eigener Tasche zahlen (frustrierend). Mit einem Tagesgeld-Puffer hast du diese Flexibilität.
Ein Beispiel: Du sparst 100 Euro monatlich. 75 Euro gehen ins Depot, 25 Euro aufs Tagesgeld. Nach zehn Jahren hast du etwa 14.000 Euro im Depot und 3.000 Euro auf dem Tagesgeld. Genug Puffer für größere Anschaffungen, ohne das Depot anzufassen.
Welches Depot ist das richtige für dein Kind?
Die Auswahl ist riesig. Trade Republic, Scalable Capital, ING, Comdirect, Consorsbank. Alle bieten Kinderdepots an. Die Unterschiede liegen in den Gebühren und der Benutzerfreundlichkeit.
Was du brauchst:
- Kostenlose Depotführung
- Kostenlose oder sehr günstige Sparplan-Ausführung (maximal 1 Euro pro Ausführung)
- Auswahl an guten ETFs (MSCI World, FTSE All-World, MSCI ACWI)
- Möglichkeit, Verwandte mit einzubinden
Was du nicht brauchst:
- Hunderte verschiedene ETFs zur Auswahl
- Einzelaktien-Handel
- Komplizierte Analysetools
- Persönlichen Berater vor Ort
Die meisten Online-Broker erfüllen alle Anforderungen. Trade Republic und Scalable Capital sind besonders einfach zu bedienen und haben niedrige Gebühren. Die ING ist etwas teurer, aber viele Eltern schätzen den etablierten Namen.
Am Ende ist es egal, ob du 0,50 Euro oder 1,50 Euro pro Sparplan-Ausführung zahlst. Der Unterschied über 18 Jahre sind ein paar hundert Euro. Viel wichtiger ist, dass du überhaupt anfängst.
Was passiert mit dem Kinderdepot im Todesfall der Eltern?
Unangenehme Frage, aber wichtig. Das Kinderdepot läuft auf den Namen deines Kindes. Wenn du stirbst, geht das Depot nicht in die Erbmasse ein. Es gehört weiter deinem Kind.
Der Vorteil: Das Vermögen deines Kindes ist geschützt, egal was mit deinem eigenen Vermögen passiert. Wenn du Schulden hast, Insolvenz anmelden musst oder in einer Scheidung steckst, kommt niemand an das Kinderdepot ran.
Der Nachteil: Du kannst das Geld nicht zurückholen, wenn du es selbst brauchst. Einmal ins Kinderdepot eingezahlt, gehört es deinem Kind. Rechtlich bindend.
Wenn du dir da unsicher bist, leg das Geld lieber auf deinen Namen an. Du verlierst ein paar hundert Euro durch höhere Steuern, behältst aber die volle Kontrolle.
Wie lernen Kinder den Umgang mit ihrem Depot?
Mit drei Jahren muss dein Kind nichts vom Depot wissen. Mit zehn sollte es wissen, dass da Geld für später liegt. Mit 16 sollte es verstehen, wie das Depot funktioniert und warum es nicht verkauft wird.
Finanzbildung ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Du fängst klein an. Mit acht Jahren zeigst du deinem Kind das Depot und erklärst, dass da Geld für den Führerschein und das Studium wächst. Mit zwölf erklärst du, was Aktien sind und warum manche Unternehmen mehr wert werden. Mit 16 setzt ihr euch zusammen hin und geht die Zahlen durch.
Wenn dein Kind mit 18 das Depot übernimmt und weiß, wie es funktioniert, hast du alles richtig gemacht. Wenn es mit 18 das erste Mal davon hört und keine Ahnung hat, was ETFs sind, hast du 18 Jahre verschenkt.
Das Depot ist nicht nur Geld. Es ist auch ein Lernwerkzeug. Nutze es.
Profitieren Eltern selbst vom Kinderdepot?
Hier kommt der Teil, über den niemand spricht: Ein Kinderdepot zwingt dich, selbst diszipliniert zu sparen.
Viele Eltern schaffen es nicht, für sich selbst zu sparen. Aber für ihr Kind? Jeden Monat wie ein Uhrwerk. Das Kinderdepot läuft, während das eigene Depot bei 500 Euro stehenbleibt.
Wenn du erkennst, dass du für dein Kind besser sparst als für dich selbst, mach Folgendes: Eröffne zwei Depots. Eins für dein Kind, eins für dich. Spar für beide parallel. 100 Euro fürs Kind, 100 Euro für dich.
In 18 Jahren habt ihr beide ein ordentliches Polster. Dein Kind startet mit 25.000 bis 40.000 Euro ins Leben, und du hast dieselbe Summe als Zusatzrente oder Notgroschen.
Ein Kinderdepot ist nicht nur eine Investition in dein Kind. Es ist auch eine Investition in deine eigene finanzielle Disziplin.