Die meisten Eltern sparen zwischen 50 und 200 Euro monatlich für ihr Kind – abhängig vom Einkommen, den Zielen und dem Alter des Kindes. Als grobe Faustregel gilt: Etwa 10 bis 15 Prozent des Nettoeinkommens fließen in die gesamte Familienvorsorge, davon rund die Hälfte in die eigene Altersvorsorge und die andere Hälfte ins Kindersparen.
Ob 25 Euro zu wenig oder 500 Euro zu viel sind, lässt sich nicht pauschal beantworten. Entscheidend sind drei Dinge: Dein verfügbares Einkommen nach Fixkosten, Deine konkreten Sparziele und der Zeitraum bis zur Verwendung. In diesem Beitrag rechnen wir das gemeinsam durch.
Wie viel solltest Du je nach Einkommen sparen?
Das Einkommen bestimmt den absoluten Betrag, nicht die prozentuale Sparquote. Ob Du 3.000 oder 6.000 Euro netto verdienst – rund 10 bis 15 Prozent für die Familienvorsorge sind ein realistisches Ziel. Als Orientierung für das Kindersparen dienen diese Bandbreiten:
- 2.000 Euro netto: 25 bis 50 Euro monatlich
- 3.000 Euro netto: 50 bis 100 Euro monatlich
- 4.000 Euro netto: 100 bis 150 Euro monatlich
- 5.000 Euro netto: 150 bis 250 Euro monatlich
- 6.000 Euro netto und mehr: 250 bis 500 Euro monatlich
Diese Werte sind Richtwerte, keine festen Regeln. Eine Familie mit 3.000 Euro netto und zwei Kindern hat andere Möglichkeiten als eine Familie mit gleichem Einkommen und einem Kind.
Wichtig: Diese Zahlen setzen voraus, dass Du parallel für Dich selbst sparst. Deine Altersvorsorge hat Vorrang. Ein Kind kann später BAföG bekommen und arbeiten – im Alter geht das nicht mehr. Mindestens die Hälfte Deiner gesamten Sparrate sollte daher in Deine eigene Vorsorge fließen.
Die entscheidende Frage ist nicht, wie viel andere sparen, sondern wie viel Du langfristig durchhältst. Lieber 50 Euro über 18 Jahre konsequent als 200 Euro für sechs Monate und dann aufhören.
Welche Sparziele bestimmen die Höhe der Sparrate?
Deine Ziele legen fest, wie viel Du brauchst. Typische Anlässe kosten ungefähr:
- Führerschein: 2.500 bis 3.500 Euro
- Erste Wohnungseinrichtung: 5.000 bis 10.000 Euro
- Studium über drei Jahre: 30.000 bis 40.000 Euro
Rechne rückwärts vom Ziel. Alle folgenden Beispiele gehen von 18 Jahren Anlagehorizont und sieben Prozent Rendite pro Jahr aus:
- Führerschein (rund 3.000 Euro): etwa 7 Euro monatlich reichen aus.
- Starthilfe (20.000 bis 30.000 Euro): etwa 45 bis 70 Euro monatlich.
- Vollfinanzierung Studium (40.000 Euro): etwa 93 Euro monatlich – ambitioniert, aber machbar.
Diese Beträge wirken niedrig, weil der Zinseszins über 18 Jahre den größten Teil der Arbeit übernimmt. Die realistischste Strategie ist daher oft nicht, für ein einzelnes Ziel zu sparen, sondern ein flexibles Polster aufzubauen, aus dem das Kind mit 18 selbst entscheiden kann. 100 Euro monatlich über 18 Jahre ergeben bei sieben Prozent etwa 43.100 Euro – genug, um mehrere dieser Ziele abzudecken.
Wie rechnet sich eine Sparrate über 18 Jahre?
Über 18 Jahre wächst eine Sparrate durch den Zinseszinseffekt exponentiell. Konkrete Ergebnisse bei sieben Prozent durchschnittlicher Rendite pro Jahr zeigt diese Tabelle:
| Monatliche Rate | Eingezahlt | Endkapital | Wertzuwachs |
|---|---|---|---|
| 25 Euro | 5.400 Euro | ca. 10.800 Euro | ca. 5.400 Euro |
| 50 Euro | 10.800 Euro | ca. 21.500 Euro | ca. 10.700 Euro |
| 100 Euro | 21.600 Euro | ca. 43.100 Euro | ca. 21.500 Euro |
| 200 Euro | 43.200 Euro | ca. 86.200 Euro | ca. 43.000 Euro |
| 500 Euro | 108.000 Euro | ca. 215.500 Euro | ca. 107.500 Euro |
Der Zinseszinseffekt verdoppelt Dein eingezahltes Kapital nahezu. Je früher Du startest, desto stärker wirkt er: Wer mit 50 Euro monatlich von Geburt an spart, erreicht nach 18 Jahren etwa 21.500 Euro. Wer erst nach zehn Jahren beginnt und nur acht Jahre lang 50 Euro einzahlt, kommt auf rund 6.400 Euro – bei fast der Hälfte an Einzahlungen bleibt weniger als ein Drittel übrig.
Solltest Du mit kleinen Beträgen starten?
Ja. Starte lieber mit 25 Euro monatlich sofort als mit 100 Euro erst in zwei Jahren. Der Zinseszinseffekt belohnt einen frühen Start stärker als hohe Beträge.
Viele Eltern denken, 25 Euro lohnen sich nicht. Das stimmt nicht: Aus 25 Euro monatlich werden über 18 Jahre rund 10.800 Euro – genug für einen kompletten Führerschein plus Reserve.
Die psychologische Hürde ist meist größer als das finanzielle Hindernis. Viele warten auf den perfekten Zeitpunkt mit dem perfekten Betrag. Der perfekte Zeitpunkt ist jetzt, der perfekte Betrag ist der, den Du Dir leisten kannst. Die Rate lässt sich jederzeit erhöhen – genau das schauen wir uns als Nächstes an.
Wie passt Du die Sparrate über die Jahre an?
Passe die Sparrate mindestens einmal jährlich an Dein steigendes Einkommen an. Eine bewährte Staffelung sieht so aus:
- Jahr 1 bis 3: 50 Euro monatlich
- Jahr 4 bis 6: 75 Euro monatlich
- Jahr 7 bis 10: 100 Euro monatlich
- Jahr 11 bis 15: 150 Euro monatlich
- Jahr 16 bis 18: 200 Euro monatlich
Ergebnis nach 18 Jahren: etwa 43.500 Euro bei sieben Prozent Rendite. Eingezahlt hast Du dabei rund 25.500 Euro, der Rest ist Wertzuwachs.
Diese Strategie funktioniert, weil sie mit Deiner Gehaltsentwicklung mitwächst. Mit steigendem Einkommen fällt die Erhöhung leichter, und Du vermeidest, am Anfang zu viel zu sparen und später aufzugeben.
Was ist wichtiger: Höhe oder Kontinuität?
Kontinuität schlägt Höhe. Der Zinseszinseffekt braucht Zeit, keine hohen Einzelbeträge. Ein direkter Vergleich macht das deutlich:
- Variante A: 200 Euro monatlich für zwei Jahre, dann 16 Jahre Pause. Eingezahlt: 4.800 Euro. Endkapital nach 18 Jahren: etwa 11.400 Euro.
- Variante B: 50 Euro monatlich durchgehend über 18 Jahre. Eingezahlt: 10.800 Euro. Endkapital nach 18 Jahren: etwa 21.500 Euro.
Variante B gewinnt, weil die kontinuierlichen Einzahlungen den Zinseszins über die gesamte Laufzeit nutzen. Setze Deine Sparrate deshalb so an, dass Du sie auch in schwierigen Monaten durchhältst. Eine zu hohe Rate führt oft dazu, dass Du nach einem Jahr aufgibst.
Solltest Du das Kindergeld komplett sparen?
Nein. Das Kindergeld – aktuell 255 Euro monatlich pro Kind – ist als Unterstützung für laufende Kosten gedacht, nicht primär für den Vermögensaufbau. Wer es komplett wegspart, muss Kita, Kleidung, Hobbys und Ausflüge vollständig aus dem übrigen Budget decken. Das gelingt nur bei sehr hohem Einkommen.
Realistischer ist es, 25 bis 50 Prozent des Kindergelds anzulegen. Bei 255 Euro sind das rund 64 bis 128 Euro monatlich. Bereits 65 Euro monatlich ergeben über 18 Jahre etwa 28.000 Euro bei sieben Prozent Rendite – eine solide Basis für Führerschein, Studienstart oder erste Wohnung, ohne den Familienalltag zu belasten.
Wie viel solltest Du bei mehreren Kindern sparen?
Bei mehreren Kindern gilt: gleiche Rate pro Kind, nicht gleicher Gesamtbetrag. Ein häufiger Fehler ist, die Gesamtsparrate konstant zu halten und immer weiter aufzuteilen – etwa von 100 Euro fürs erste Kind auf je 50 Euro bei zweien und je 33 Euro bei dreien. Das benachteiligt die jüngeren Kinder.
Richtig ist, die Gesamtsparrate mit jedem Kind zu erhöhen: Erstes Kind 100 Euro, mit dem zweiten Kind 200 Euro gesamt, mit dem dritten 300 Euro gesamt.
Reicht das Budget nicht, reduziere die Rate pro Kind proportional, aber behandle alle gleich. Besser 75 Euro pro Kind für drei Kinder als 100/50/25 Euro. Bei einem Gesamtbudget von 225 Euro und je 75 Euro hat jedes Kind nach 18 Jahren etwa 32.400 Euro bei sieben Prozent Rendite – alle stehen gleich da.
Sparplan oder Einmalanlage – was ist besser?
Eine Einmalanlage zur Geburt lohnt sich, sollte aber einen monatlichen Sparplan ergänzen, nicht ersetzen. Der Vergleich bei sieben Prozent Rendite:
- Einmalanlage: 5.000 Euro zur Geburt wachsen in 18 Jahren auf etwa 16.900 Euro.
- Sparplan: 50 Euro monatlich ergeben über 18 Jahre etwa 21.500 Euro – trotz insgesamt höherer, aber verteilter Einzahlungen.
- Kombination: 5.000 Euro Einmalanlage plus 50 Euro monatlich ergeben etwa 38.400 Euro.
Die Einmalanlage sorgt für einen starken Start, der Sparplan für kontinuierliches Wachstum. Wenn Du nur eins machen kannst, wähle den Sparplan – er ist flexibler und nutzt den Cost-Average-Effekt. Für Großeltern, die einmalig 2.000 bis 5.000 Euro schenken, aber keine monatlichen Zahlungen leisten können, ist eine Einmalanlage ideal.
Wie teilst Du das Budget zwischen Tagesgeld und ETF auf?
Teile nach Zeithorizont auf: kurzfristige Ziele unter fünf Jahren aufs Tagesgeld, langfristige Ziele über zehn Jahre in ETFs. Für den langen Anlagehorizont bis zum 18. Geburtstag bietet sich anfangs folgende Aufteilung an:
- 25 Prozent aufs Tagesgeld für kurzfristige Ausgaben wie Klassenfahrt, Fahrrad oder Laptop
- 75 Prozent in einen ETF-Sparplan für langfristigen Vermögensaufbau
Bei 100 Euro Gesamtbudget landen also 25 Euro aufs Tagesgeld und 75 Euro im ETF-Sparplan. Nach zehn Jahren hast Du bei dieser Aufteilung rund 3.300 Euro auf dem Tagesgeld (bei etwa 2 Prozent Zins) und etwa 13.000 Euro im Depot.
Ab etwa 12 bis 14 Jahren solltest Du die Aufteilung Richtung 50/50 verschieben. Der Zeithorizont bis 18 verkürzt sich, und Du willst das bereits Erreichte vor kurzfristigen Kursschwankungen der ETFs schützen.
Was machst Du bei finanziellen Engpässen?
Bei einem Engpass reduziere die Sparrate temporär, statt komplett zu pausieren. Selbst 10 Euro monatlich halten den Sparplan lebendig. Hilfreich ist diese Reihenfolge:
- Reduziere die Sparrate auf etwa 25 Prozent des Normalbetrags
- Pausiere zuerst das Tagesgeld, halte den ETF-Sparplan durch
- Erhöhe die Rate wieder, sobald der Engpass vorbei ist
Der ETF-Sparplan hat Priorität, weil er den längsten Zeithorizont hat. Das Tagesgeld kannst Du jederzeit wieder auffüllen – entgangene ETF-Rendite in den frühen Jahren holst Du nur schwer wieder auf.
Wie einigst Du Dich mit Deinem Partner?
Unterschiedliche Vorstellungen sind normal – ein Partner will 200 Euro sparen, der andere hält 50 Euro für ausreichend. Die Lösung liegt im gemeinsamen Rechnen. Klärt zusammen diese vier Fragen:
- Welches konkrete Ziel wollt Ihr erreichen?
- Wie viel Endkapital braucht Ihr dafür?
- Wie viel müsst Ihr dafür monatlich sparen?
- Ist diese Rate für beide dauerhaft tragbar?
Oft löst sich der Streit auf, sobald die Zahlen auf dem Tisch liegen. Ein guter Kompromiss: Startet mit der niedrigeren Rate und erhöht nach einem Jahr, wenn beide sehen, dass es funktioniert. Besser einig bei 75 Euro starten als zerstritten bei 200 Euro.
Was ist die beste Strategie für Deine Familie?
Die beste Strategie kombiniert eine realistische Startrate, eine jährliche Erhöhung und eine Aufteilung nach Zeithorizont. Konkret heißt das:
- Starte mit 50 bis 100 Euro monatlich, je nach Einkommen
- Teile 75 Prozent in den ETF-Sparplan, 25 Prozent aufs Tagesgeld
- Erhöhe die Rate jährlich mit Deinem Einkommen
- Verschiebe die Aufteilung ab etwa 12 Jahren Richtung 50/50
- Reduziere bei Engpässen, pausiere aber nie komplett
So baust Du über 18 Jahre ein solides Vermögen auf, ohne Dich finanziell zu übernehmen. Dein Kind hat mit 18 die Wahl zwischen Studium, Ausbildung, Auslandsaufenthalt oder erster Wohnung – und Du hast Deinen Teil geleistet.
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